Angelika Kapfer, Partnerin bei Beiten Burkhardt

"Viel Spiel­raum, um die eigenen Talente zu ent­de­cken"

von Christian DülpersLesedauer: 9 Minuten

Angelika Kapfer ist Partnerin in Teilzeit. Wie man dieses Modell mit arbeitsintensiven M&A-Projekten vereinbart, was die schönsten Momente in ihrem Berufsleben sind und welchen Rat sie jungen Jurist:innen gibt, erklärt sie im Interview.

LTO: Frau Kapfer, warum sind Sie Anwältin geworden?

Angelika Kapfer: Mich hat schon immer gereizt, einen vielseitigen Job mit Gestaltungsfreiraum zu haben, in dem ich Fachkenntnisse mit einer strategischen Planung verbinden kann. Man kennt das Ziel, aber man muss strategisch überlegen, wie man dorthin kommt. Wenn man zunächst Jura studiert hat, ist Anwältin der einzige Job, in dem man das so verbinden kann. 

Haben sich Ihre Erwartungen, die Sie im Jurastudium an den Beruf hatten, erfüllt?

Tatsächlich ist es viel besser geworden, als ich es mir anfänglich gewünscht oder erhofft habe. Als Studentin ist man nicht so nah an dem Anwaltsberuf dran, deshalb war ich skeptisch, ob er das Richtige für mich ist. Als dann die Anwaltsstation und die Vorbereitung für das zweite Staatsexamen kam, wurde es aber immer besser und ich kam meinen Wünschen näher. Gerade die Verhandlungen in meinem Bereich M&A sind hochspannend. Es macht mir enorm Spaß, sie vorzubereiten und - vor allen Dingen - zu Lösungen zu kommen. Damit bin ich sehr glücklich.

Muss man für den Bereich M&A und die angesprochenen Verhandlungen ein bestimmtes Talent mitbringen oder kann das jeder lernen?

Ich denke schon, dass man ein bestimmtes Talent mitbringen muss. Man muss zuhören und die unterschiedlichen Interessen erkennen können, um zu wissen, was geht und was eben nicht geht. Man muss eloquent sein und seine Position auch bei starkem Gegenwind vertreten und durchsetzen können. Wichtig ist auch, sehr flexibel zu sein und umschalten können, wenn das, was man vorbereitet hat und erreichen wollte, schlicht nicht funktioniert. 

Warum fühlen Sie persönlich bei Beiten Burkhardt wohl und was zeichnet Ihre Kanzlei aus?

Das Beste bei Beiten Burkhardt ist, dass man sein eigenes Profil entwickeln kann. Jeder darf seine Talente und seine Ideen einbringen. Wenn eine Initiative nicht gerade abwegig scheint, dann heißt es: „Mach einfach!“ Das gibt sehr viel Spielraum für die eigene Entwicklung und dafür, die eigenen Talente zu entdecken und sein Netzwerk auszubauen. Bei uns kann man sehr schnell in eine "Leading Role" kommen und seinen Business Case aufbauen

"Teilzeit heißt nicht, in Projektphasen um 16 Uhr Feierabend zu machen"

Sie haben die Chance, sich etwas Eigenes aufzubauen, offenbar gut genutzt. Sie sind relativ schnell Salary Partnerin geworden, zu einer Zeit, in der Frauen in der Partnerschaft einen noch deutlich geringeren Anteil hatten als heute. Wie haben Sie das damals wahrgenommen und was hat Ihnen bei diesem Schritt geholfen?

Es war nicht so, dass ich diesen Schritt strategisch geplant habe. Dieser Karriereweg hat sich ergeben, eben durch die Plattform, die Beiten Burkhardt bietet: Man darf sehr schnell Projekte eigenverantwortlich leiten, man darf bei Veranstaltungen vorne stehen und Vorträge halten. Man darf Gesicht zeigen. 

Mir hat sicher geholfen, dass ich auch den Steuerberater habe. Das ist für das M&A Geschäft ideal, insbesondere weil diese zusätzliche Ausbildung das wirtschaftliche Verständnis enorm schärft. Das wird von Mandanten sehr geschätzt.

Viele Kanzleien würden gerne mehr Frauen in Führungsrollen haben und versuchen dafür ein geeignetes Umfeld zu schaffen, aber so richtig funktioniert es noch nicht. Was glauben Sie, warum es bisher nicht gelingt, Frauen in gleichem Maße zu entwickeln wie Männer?

Es stimmt, je höher man kommt, desto niedriger werden die Quoten. Das ist eine ganz schwierige sehr vielschichtige Frage. Ich tue mich schwer damit, sie für andere Kanzleien zu beantworten.

Wie ist die Antwort für Ihre Kanzlei?

In meinem Fall hat die Kanzlei mir ein Umfeld geboten, das es mir ermöglicht hat, den Schritt in die Teilzeit-Equity-Partnerschaft zu gehen. Dazu gehört, dass ich ein Team um mich habe, auf das ich mich komplett verlassen kann, das mir den Rücken stärkt und ich mir damit in meiner freien Zeit auch erlauben kann, mal nicht an die Kanzlei zu denken. 

In meinem Bereich M&A arbeiten wir viel und müssen sehr flexibel sein. Man ist mit vollem Einsatz unterwegs. Da fällt es schwer zu sagen: Sorry, ich arbeite nur von Montag bis Donnerstag und Freitag ist niemand erreichbar. Hier bin ich meinem Team sehr dankbar, dass wir an einem Strang ziehen. 

Aber auch das private Umfeld spielt eine große Rolle. Wenn man gleichzeitig Familie hat ist es unabdingbar sich Strukturen zu schaffen, die es erlauben, so intensiv zu arbeiten. 

Sie sagen, man muss mit vollem Einsatz dabei sein. Selbst arbeiten Sie aber in Teilzeit. Wie kriegen Sie das hin?

Letztendlich heißt Teilzeit nicht, dass ich in kritischen Projektphasen sagen kann: "Ich vereinbare das mit der Kindererziehung und mache um 16 Uhr Feierabend." Ich muss immer bereit sein, mehr zu leisten. Ein M&A-Projekt ist einfach zeitintensiv, es müssen hunderte von Fragen geklärt werden und wenn man in einer führenden Rolle tätig sein will, sind sehr lange Arbeitstage ganz normal. Das ist, glaube ich, in jeder Kanzlei so.

Hier kommt es auf die Teamarbeit an. Nur so sind die Spitzenzeiten gemeinsam zu meistern. Im Gegenzug ist dann aber auch der Ausgleich wichtig. Diese Spitzenzeiten kann ich in Phasen, in der ein Projekt nicht so intensiv ist, wieder sehr gut ausgleichen. 

"Auch ohne Prädikatsexamen hat man bei uns eine Chance"

Sie waren relativ lange Salary Partnerin, haben 2019 den Schritt zu Equity Partnerin gemacht. Was ist der Unterschied zwischen den beiden Karrierestufen?

Der Unterschied ist natürlich, dass ich Gesellschafterin der Kanzlei werde. Ich bin also Miteigentümerin und das ändert in gewisser Weise die Einstellung zur Kanzlei. 
Für uns sind aber auch die Salary Partner "Partner". Es ist uns ganz wichtig, dass sie in dieser Leading Role vom Mandanten wahrgenommen werden und in der Kanzlei Verantwortung übernehmen. Sie betreuen eigenständig Mandate, haben die Direktleitung und sollen ihre Akquisetätigkeit voll entfalten können. 

Merkt man im Arbeitsalltag einen Unterschied?

Das ist unterschiedlich. Als ganz junge Salary Partnerin ist man vielleicht froh, wenn man Unterstützung vom Equity Partner bekommt. Wer schon länger Salary Partner ist, bearbeitet seine Mandate in der Regel eigenständig. Trotz der hohen Eigenständigkeit arbeitet man bei uns im Team und tauscht sich aus. Als qualitätssichernde Maßnahme gilt stets das Vier-Augen-Prinzip.

Was für ein Profil wünschen Sie sich von einem Bewerber und welche Talente und Fähigkeiten sollte er mitbringen?

Selbstverständlich sind eine juristische Ausbildung und das Abschneiden beim juristischen Examen mitentscheidend. Aber auch der persönliche Eindruck ist mir sehr wichtig: Wie sich die Bewerber präsentieren, wie sie über sich sprechen, wie sie sich selbst darstellen und ob sie ihre Meinung vertreten können.

Wir sehen gerne ein überobligatorisches Engagement während der Studienzeit oder im privaten Bereich. Ein Auslandsaufenthalt ist sehr gut, weil er die Persönlichkeit und die Selbständigkeit schärft. Ferner sind - neben sehr guten Englischkenntnissen - auch weitere besondere Sprachkenntnisse von Vorteil, zum Beispiel chinesisch oder russisch. Zusatzqualifikationen wie Doktortitel, MBA oder Steuerberater sind gern gesehen, aber kein Muss.  

Ist ein Prädikatsexamen eine unabdingbare Voraussetzung?

Um die Frage klar zu beantworten: Nein. Wir wünschen uns natürlich sehr gute juristische Qualifikationen, da sie die Basis unseres Schaffens bilden. Aber Juristen brauchen sehr viel mehr als gute Noten und daher schauen wir uns den Lebenslauf jedes Bewerbers auch abseits der Staatsexamina ganz genau an. Es ist natürlich sehr gerne gesehen, aber auch ohne hat man bei uns eine Chance.

"Wir entwickeln Partnernachwuchs aus den eigenen Reihen"

Was erwarten Berufseinsteiger bei Ihnen? Wie funktioniert das Onboarding und wie laufen die ersten Monate in der Kanzlei?

Neue Kolleg:innen bekommen bei uns sofort die Zuordnung zu einem Partner, der die "Betreuung" übernimmt, sie in die Kanzlei einführt und stets für Fragen bereitsteht. Ab Tag 1 steht natürlich Mandatsarbeit an. Dabei versuche ich persönlich eng mit den jungen Anwälten zusammen zu arbeiten, damit sie von mir lernen können. Das ist einer der wichtigsten Aspekte: Dass man sich etwas von den erfahrenen Kollegen abschaut, von jedem das Beste nimmt und dann für sich einen Weg findet, wie man Mandate bearbeitet.

Daneben gibt es eine standortübergreifende Einsteigerwoche, in der wir den neuen Kolleg:innen erklären, wie die Kanzlei aufgestellt ist, wie IT und Bibliothek funktionieren, wie sie Zugang zu Beck Online bekommen und all diese Themen. 

In unserem internen Ausbildungsprogramm, das wir zusammen mit der Bucerius Law School Education aufgesetzt haben, schulen wir fachliche Themen regelmäßig spezifisch für die Fachbereiche. Es bietet gleichzeitig - das ist uns ganz wichtig - auch einen Blick über den Tellerrand. Die Teilnehmenden erfahren, was die anderen Bereiche machen und wo Schnittstellen sein können. 

Nehmen Sie die neuen Kollegen und auch direkt zu Terminen mit?

Absolut. Nur so lernt man, wie der Mandant seine Fragen beantwortet haben möchte, warum er bestimmte Fragen stellt und was wichtig ist. Wenn die jungen  Anwälte vom Mandanten ferngehalten werden, entsteht ein Abstand und sie fühlen sich vielleicht nicht so verantwortlich. Wenn sie ihre Antworten selbst vortragen und nicht ein anderer, dann sehen sie sich mit der Reaktion konfrontiert, müssen ihren Standpunkt vertreten und eine praktikable Lösung finden.

Wir achten deshalb auch schon bei der Einstellung darauf, dass neue Kolleg:innen vom Typ her gut zu uns passen und damit auch sofort von den Mandanten akzeptiert werden. Das ist uns ganz wichtig.

Wie groß ist ein Team bei Ihnen, z.B. Ihr eigenes M&A-Team?

Das ist unterschiedlich und hängt immer von der Größe des Mandats ab. Für Transaktionen kleinerer Art sind es vielleicht drei oder vier Anwälte aus dem Bereich M&A plus Anwälte aus Fachbereichen wie Immobilienrecht, öffentliches Recht oder Steuerrecht. 

Wenn ein neuer Mitarbeiter Ihre Erwartungen erfüllt, wie sind denn dann seine weiteren Perspektiven?

Die Perspektiven bei Beiten Burkhardt sind sehr gut. Wir haben das große Bestreben den Partnernachwuchs aus den eigenen Reihen zu entwickeln. Nach 4-5 Berufsjahren steht die erste Entscheidung zur Salary Partnerschaft an. Hierfür schauen wir neben den fachlichen Qualifikationen vor allem auch auf die interne Akzeptanz, die potentielle Akquisestärke und auf die Fähigkeit Teams zu leiten und zu motivieren. 

Gibt es noch einen Zwischenschritt?

Nein, den gibt es nicht: Nach dem Associate wird man Salary Partner und schließlich Equity Partner.

Gibt es bei Ihnen ein Up-or-out?

Nein, wir bieten einen zweiten Karriereweg für Mitarbeiter, die sagen: „Ich will gar nicht Equity Partner werden, ich will nicht an der vordersten Front stehen und Akquisedruck haben.  Diese Kollegen können einfach weiter als Salary Partner tätig sein oder Senior Salary Partner werden.

"Mein Rat an junge Juristen: Netzwerke knüpfen!"

Was sind die Highlights, die schönsten Momente in Ihrem Berufsleben?

Ich verhandele sehr gerne. Das Schönste ist, wenn am Anfang die Positionen der beiden Parteien sehr weit auseinander liegen und man es dann schafft, die Parteien so weit zueinander zu bringen, dass ein Deal möglich ist. Das sind tolle Erfolge vom ganzen Team, in solchen Momenten bin ich schon sehr beschwingt.

Welchen Rat würden Sie einem jungen Juristen geben, der ganz am Anfang seines Berufswegs  steht?

Da kann ich nur sagen: Netzwerke knüpfen! Als Anwalt ist man darauf angewiesen, dass man Mandate angetragen bekommt und dafür ist es ganz wichtig, sehr viele Leute zu kennen und die  Augen und Ohren so ungefähr überall zu haben. Außerdem muss man immer neugierig bleiben, was es Neues gibt, wo sich die Wirtschaft und die Mandanten hinbewegen.

Haben Sie Tipps, wie man erfolgreich Networking betreibt? 

Versucht schon im Studentenkreis, viele Leute kennenzulernen. Das sind die Personen, die nachher in den Unternehmen sitzen oder die selber Anwälte werden. Bringt euch in Organisationen ein, macht Praktika in Unternehmen oder sucht euch während der Semesterferien einen passenden Nebenjob in Unternehmen.

Und haben Sie einen Tipp für die Bewerbung bei Beiten Burkhardt?

Wenn man sich für Beiten Burkhardt interessiert, dann sollte man sich schon für das Referendariat bei uns bewerben. Das hat den riesigen Vorteil, dass man testen kann, ob einem die Kanzlei gefällt. Umgekehrt können auch wir feststellen, ob die Person zu der Kanzlei passt. Wir gewinnen auf diesem Weg sehr viele junge Anwältinnen und Anwälte für uns. 

Haben Referendare und Associates die Möglichkeit eines Auslandsaufenthalts? 

Das versuchen wir immer zu ermöglichen. Wir haben eigene Auslandsstandorte wie Moskau oder Peking und wir haben entsprechende Kontakte zu externen Kanzleien. Im Referendariat kann zudem auch gerne eine Station in unserem Büro in Brüssel absolviert werden.

Mehr Infos: Arbeitgeberprofil von Beiten Burkhardt

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