Gaugau Zhang, Associate bei Dentons

"Die inter­na­tio­nale Kanz­lei­kultur hat mich fas­zi­niert"

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Internationale Mandanten und Kollegen aus der ganzen Welt: Als Associate bei Dentons lernt man viele verschiedene Kulturen kennen. Dabei kann man eine Menge lernen, erzählt Gaugau Zhang im Interview.  

Frau Zhang, Sie sind Associate im Dispute Resolution Team bei Dentons in Frankfurt. Warum haben Sie sich für Dentons entschieden? 

Ich war auf der Suche nach einer internationalen Kanzlei, bei der meine Sprachkenntnisse zum Einsatz kommen könnten. Ich bin chinesischer Herkunft und spreche Chinesisch, weshalb ich mich nach Kanzleien mit einem guten Standing in Asien im Allgemeinen und China im Speziellen umgeschaut habe. Da bin ich dann schnell auf Dentons gekommen.

Was mich besonders fasziniert ist die internationale Kanzleikultur bei Dentons. Viele andere internationale Kanzleien werden von einer Zentrale aus geleitet, etwa aus London oder den USA. Häufig färbt die Firmenkultur der Zentrale auf die Niederlassungen im Ausland ab. Dentons ist dagegen eine polyzentrische Kanzlei, bei der es keine Firmenzentrale gibt. Dafür gibt es Büros in der ganzen Welt, auch in Ländern wie Kenia oder Honduras. Bei der Zusammenarbeit mit den Kollegen kommen also die unterschiedlichsten Länder und Kulturen zusammen, man kann dabei jedes Mal eine Menge lernen. Das finde ich total spannend.

Angefangen haben Sie im August 2019. Wie lief das Onboarding ab?

Der Anfang war sehr gut organisiert. Ein paar Wochen vor Arbeitsbeginn gab es bereits einen Fototermin für die Kanzleiwebseite, an meinem ersten Tag wurde mein Profil dann auch sofort auf der deutschen und globalen Website veröffentlicht. In den ersten Tagen gab es IT-Schulungen und eine Einweisung von HR. Außerdem wurde mir eine erfahrene Associate als Mentorin zur Seite gestellt, die mich in der Anfangsphase unterstützt hat und an die ich mich mit meinen Fragen wenden konnte. Es dauerte dann nicht lange, bis ich meinen ersten Mandantenkontakt hatte und eigene Verantwortung getragen habe. 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Der Morgen beginnt mit einem internen Teamcall, in dem wir die Aufgaben des Tages und der Woche besprechen. Dann stelle ich mir eine Liste mit Aufgaben zusammen und arbeite diese ab – meistens kommt aber noch etwas Spontanes dazwischen und ich muss improvisieren. 

Ansonsten stehen oft Calls oder Mandantengespräche an. Ich betreue tatsächlich viele chinesische Mandanten und habe auch viel Email-Kontakt mit den Dentons-Kollegen in China. Im Dispute Resolution-Team sind wir außerdem vergleichsweise oft vor Gericht. Vor Corona durfte die Kaffeepause mit den Kollegen am Nachmittag nicht fehlen. 

"Mein Partner bringt mir viel Respekt entgegen"

Dann kommen Sie auf wie viele Arbeitsstunden in der Woche?

Bei einer ausgedehnten Mittagspause endet ein typischer Arbeitstag meistens gegen 20 Uhr. Je nach Mandat variiert die Arbeitszeit natürlich immer ein wenig. 

Wie gelingt Ihnen die Work-Life-Balance?

Das ist ein wichtiges Thema für mich. Ich arbeite grundsätzlich gerne und bin auch gerne bereit, mich viel einzusetzen. Aber ich möchte meine Freizeit auch genießen können. Von Seiten der Kanzlei und meines Partners wird sehr darauf geachtet, dass ich zum Beispiel im Urlaub wirklich frei habe und nicht erreichbar sein muss. Wochenendarbeit fällt bei uns auch nur in seltenen Ausnahmefällen an. Vor der aktuellen Corona-Situation gab es außerdem ein Yoga-Angebot in der Mittagspause, das ich gerne erneut nutze, sobald es wieder stattfinden kann. Derzeit wird zweimal wöchentlich ein Online-Yogakurs angeboten.

Ich versuche, keine Dauerbelastung aufkommen zu lassen – denn das ist meiner Meinung nach das Schlimmste. Die meiste Arbeit erledige ich deshalb gebündelt unter der Woche, um nach Feierabend nichts mehr mit nach Hause nehmen zu müssen. Das gelingt natürlich nicht immer, aber grundsätzlich funktioniert das ganz gut. Ansonsten versuche ich als Ausgleich regelmäßig Sport zu machen, das hilft auf jeden Fall auch. 

Wie ist das Verhältnis zu den Partnern bei Dentons?

Zu meinem Partner im Team habe ich ein sehr kollegiales Verhältnis. Bei Fragen kann ich mich immer an ihn wenden. Schön finde ich, dass er mir viel Respekt entgegenbringt. Meine Meinung wird ernst genommen und mein Input gewürdigt. Das ist meiner Ansicht nach gerade für junge Associates sehr wichtig. Der Umgang mit den anderen Partnern ist meistens ziemlich locker, oft duzen wir uns.

Gibt es etwas, worum Sie die Partner beneiden?

Vielleicht um ihre Berufserfahrung. Wie sie selbst in den schwierigsten und herausforderndsten Situationen einen kühlen Kopf bewahren, ist schon faszinierend. Da würde ich gerne auch hinkommen.

Und gibt es auch Momente, in denen Sie denken: Gut, dass ich keine Partnerin bin?

Die Herausforderung, Verantwortung für Mandanten und Mitarbeiter zu haben, ist sicherlich nicht zu unterschätzen. Auch im Umgang mit den Mandanten gibt es hin und wieder schwierige Situationen, die die Partner meistern müssen. Zurzeit bin ich froh, dafür nicht verantwortlich zu sein.

Was wünschen Sie sich für Ihre berufliche Zukunft?

Ich wünsche mir, dass mir die anwaltliche Arbeit auch noch in 10 oder 20 Jahren Spaß macht – und falls nicht, ich trotzdem meinen Weg finde und glücklich werde. 

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung außerhalb der Juristerei?

Ich treffe mich gerne mit Freunden, wenn es die Corona-Lage wieder zulässt. Ich mag es aber auch sehr, mit einem guten Roman und einer Tasse Tee auf dem Balkon zu sitzen und zu entspannen. In letzter Zeit habe ich außerdem angefangen (wohl coronabedingt), mich für meine Zimmerpflanzen zu interessieren und manchmal spiele ich ein wenig Klavier.  

Welchen Ratschlag haben Sie an junge Menschen, die einmal Anwalt werden wollen?

Die juristische Ausbildung ist nicht ohne und gerade die Staatsexamina können viele Nerven kosten. Deshalb sollte man Biss und Durchhaltevermögen mitbringen, wenn man sich für Jura entscheidet. Und am besten schon früh damit anfangen, Klausuren zu schreiben. Im Referendariat lohnt es sich, Dinge auszuprobieren und herauszufinden, welchen Weg man einschlagen will. Für den Anwaltsberuf ist es hilfreich, wenn man ein gewisses Empathievermögen mitbringt und ein Gespür für die Interessen der Mandanten entwickelt. Dann fällt der Beruf leichter und macht mehr Spaß!

Vielen Dank für das Gespräch.

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