Sandra Redeker, Partnerin bei SKW Schwarz

"Viel­falt ist eine Stärke unserer bunten Kanzlei-Kultur"

Lesedauer: 7 Minuten

Sandra Redeker ist Partnerin im Bereich IP. Im Interview erklärt sie, wie die Liebe zum Design ihre Berufswahl beeinflusst hat, wie ihre Kanzlei Associates früh in Verantwortung bringt und erinnert sich an ihren schönsten Karriere-Moment. 

LTO: Frau Redeker, warum sind Sie Anwältin geworden? 

Sandra Redeker: Ich hatte als Jugendliche ein Faible für Design einerseits, Sprache andererseits, und gleichzeitig wohl Stärken in der logischen Anwendung von Regeln. Nachdem ich mich aus verschiedenen Gründen gegen ein Design- oder Medienkommunikationsstudium entschieden hatte, lag Jura (in Richtung Intellectual Property oder Medien) auch aufgrund der vielen Möglichkeiten in der späteren Fortentwicklung nahe, obwohl ich nicht aus einer Juristenfamilie stamme.  

Meine Präferenz für den Anwaltsberuf kristallisierte sich nach diversen Praktika und sonstigen Stationen schnell heraus: Der Beruf erfordert Flexibilität im Kopf, Schnelligkeit im Umschalten, Präzision, Argumentationsstärke, Empathie und Standfestigkeit. Jeder Tag ist anders, jeder Mandant ist anders und jeder Fall ist anders. Die anzuwendenden Normen des Rechtsgebiets mögen teilweise jeweils gleich sein, aber die zu beurteilenden Sachverhalte und die Branchen sind unterschiedlich. Man lernt z.B., wie ein chemischer Katalysator funktioniert, die Besonderheiten von bestimmten Schnitttechniken im Bekleidungsbereich, den Aufbau einer Sportschuhsohle oder die Funktionsweise eines Kfz-Transponders. Das ist spannend. Immer wieder und auch nach knapp 20 Jahren Berufspraxis.  

Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus? 

Im Grunde genommen beginnt jeder Arbeitstag mit der Frage: Stimmt die Priorisierung der anstehenden Aufgaben noch oder gibt es neue, eiligere Themen? Im Intellectual Property, also im gewerblichen Rechtsschutz, haben wir viele Eilverfahren. Es kann über Nacht eine dringende Anfrage aus den USA eingehen oder im Laufe des Tages von europäischen Mandanten auf den Tisch kommen. So verändert sich die Liste der zu erledigenden Aufgaben durch die unterschiedliche Dringlichkeit an manchen Tagen mehrfach. Das bringt einen gewissen Druck mit sich, dem man standhalten muss, und fordert die schon beschriebene Flexibilität.  

Nach Priorisierung geht es los mit der Arbeit: Themen prüfen, im Team brainstormen, Entwürfe ändern und freigeben, die das Team erstellt hat, Verträge erstellen und ändern, zig E-Mails am Tag schreiben und viel telefonieren. Darüber hinaus bin ich derzeit eine von drei Partnern in der Geschäftsführung unseres Berliner Büros und in standortübergreifende Strategiethemen eingebunden. Das bringt Verantwortung, viele Besprechungen und Organisationsaufwand mit sich. Aber auch: die Möglichkeit, Themen voranzutreiben und weiter zu entwickeln. 

Was war bisher das Schönste in Ihrem Berufsleben? 

Es gab und gibt unzählige schöne Momente. Wenn ich einen Fall herausgreifen soll, der mich geprägt hat, dann diesen: Es ging um das Abwerben von Mitarbeitern, und es ging um Fußball. Ich war noch sehr jung, und der Fall war angesichts seiner Größe, Bedeutung, Schwierigkeit und des Zeitdrucks sehr herausfordernd. Der Fall hat alles geboten, was man sich so vorstellen kann: von Detektivermittlungen über gescheiterte Mediationsverhandlungen bis hin zu Beschäftigungsverboten, die im Eilverfahren durchgesetzt werden mussten, was rechtlich fast unmöglich war. Die - sehr mutige - Richterin entschied am Ende zu unseren Gunsten. Als das Fax mit dem Urteilstenor eintraf, bin ich fast explodiert vor Glück und Erleichterung. Es war mein erster großer Erfolg in einem schwierigen Fall und hat mir damals einiges an Selbstvertrauen für meine weitere Karriere gegeben. 

Aber neben dem Klassiker, wenn man einen Prozess gewonnen oder eine Vertragsverhandlung erfolgreich abgeschlossen hat, erlebe ich unzählige kleine Momente der beruflichen Erfüllung: Wir sind Partner und Berater unserer Mandanten. Und ich habe großartige Mandanten, die ich auch persönlich sehr schätze. Von ihnen erhalte ich viel Wertschätzung und wunderbares Feedback. Das treibt jeden Tag erneut an. 

"Wer mitgestalten möchte, ist bei uns richtig"

Warum haben Sie sich für SKW Schwarz entschieden? 

Als ich noch ganz jung war, habe ich verschiedene Formate von Kanzleien ausprobiert, durch Praktika und Referendarstationen. Sowohl sehr große als auch sehr kleine und alles was dazwischen lag. Ich habe schnell festgestellt, dass eine kleine Struktur nichts für mich ist, denn ich mag es, im Team zu arbeiten, ich mag Kommunikation.  

Nach einer langen Zeit in einer anderen großen Wirtschaftskanzlei bin ich Ende 2017 als Partnerin zu SKW Schwarz gestoßen, weil ich für den Bereich IP bei SKW Schwarz eine klare Vision und darüber hinaus das Gefühl hatte, das SKW Schwarz im Hinblick auf Spirit und Dynamik besser zu mir passt. Neben den fachlichen Stärken der Kanzlei in den Bereichen Digital Business / IT, Medien und IP fand ich auch auffallend, dass hier viel Wert auf die Individualität der Persönlichkeiten gelegt wird. Es gibt viel Freiraum. Um es in einem (zugegebenermaßen simplen) Bild auszudrücken: es ist keine Kanzlei, in der jeder den berühmten blauen Anzug trägt. Sie sehen hier auf dem Flur alles, vom Dreiteiler mit Einstecktuch bis hin zu Jeans, T-Shirt und Turnschuhen. Vielfalt ist ein wichtiger Teil und eine Stärke der bunten Kanzlei-Kultur.  

Warum sollte sich eine Nachwuchsjuristin oder ein Nachwuchsjurist für SKW Schwarz entscheiden? 

Wer von Beginn an nicht nur gut ausgebildet werden, sondern möglichst schnell in Verantwortung hineinwachsen und diese übernehmen möchte, wer mitgestalten möchte, ist bei uns richtig. Unsere jungen Talente haben sofort Mandantenkontakt und können neuen Ideen entwickeln, sowohl intern als auch im Akquisebereich. Wir schätzen – und legen Wert auf – Initiative.  

Ich kenne es von keiner anderen Kanzlei in diesem Maße, dass die jungen Associates „einfach machen“, Ideen entwickeln und dafür auch nach außen mit ihrem Gesicht und Namen stehen können. Wir fördern dies sehr frühzeitig und bleiben (auch) dadurch agil und progressiv.  

Zwei Beispiele: Letztes Jahr beispielsweise haben einige weibliche Associates das „Digital Female“ Event in Berlin entwickelt und organisiert, mit großartigen Panel-Speakerinnen. Das war ungemein erfolgreich, so dass auf Berlin eine weitere Veranstaltung in München folgte und nunmehr die regelmäßige Fortsetzung der Reihe geplant wird. Wir Partner haben dabei nur unterstützt. Ein weiteres Beispiel: Unsere E-Sports-Fokusgruppe wird durch einen Associate geführt, der im dritten Berufsjahr ist. Bei einer Großkanzlei wäre das unmöglich – dort wäre das einem Partner vorbehalten.  

Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf? 

Wir sind auf dem Bewerbermarkt abseits unseres Vorzeigebereichs Medien & Entertainment noch zu unbekannt, die Marke strahlt in vielen Bereichen noch nicht in dem Maße, wie ich mir das wünschen würde. Daran arbeiten wir. Wir müssen unsere Stärken besser kommunizieren, und die Chancen, die Bewerber bei uns haben, mehr herausstellen.  

Wir mögen keine glanzvollen, straff durchorganisierten Schulungsprogramme haben. Wobei: Unser Weiterbildungsprogramm SKW Campus, dass wir in Kooperation mit der Bucerius Law School aufgesetzt haben, ist bereits sehr vielseitig. Grundsätzlich setzen wir aber sehr auf die Eigeninitiative der Associates, die sich auch untereinander ausbilden und füreinander Fortbildungskonzepte entwickeln. In den Bereichen Digital Business / IT und Medien haben die Associates mittlerweile beeindruckende Schulungsreihen entwickelt, die sehr gut funktionieren und in denen wir als Partnerinnen und Partner unser Erfahrungswissen in den verschiedensten Themen aktiv weitergeben. Das fördert nicht nur die Ausbildung, sondern auch den Teamgeist. 

Arbeitgeber geben gerne mit ihrer "open door policy" an, wie offen sind die Türen bei SKW Schwarz im Alltag? 

Offen, es gibt da gar keine Einschränkungen. Wir haben einen sehr informellen Umgang miteinander, das gilt auch für Referendare, wissenschaftliche Mitarbeiter und Praktikanten. In vielen Teams gibt es auch praktisch kein „Sie“ in der Anrede. 

"Schaut Euch an, wie Frauen gefördert werden" 

Großkanzleien erwarten von Ihren Anwälten in der Regel, dass sie 50 bis 60 Stunden in der Woche arbeiten, gleichzeitig ist das Thema Work-Life-Balance für Berufseinsteiger heutzutage sehr wichtig. Wie bringen Sie diese entgegengesetzten Interessen bei SKW Schwarz in Einklang? 

Es geht bei uns nicht um eine bestimmte Zahl der Anwesenheitsstunden. Und im Gegensatz zu anderen Kanzleien gewinnt auch nicht Der- oder Diejenige, der / die abends das „Licht auf dem Flur ausmacht“.  Wenn wir hier um 19.00 Uhr über die Gänge gehen, ist es oft erstaunlich leer. Wir sind Menschen, die gemeinsam arbeiten. Und wir alle haben ein Privat- und Familienleben. Die Anerkennung und Wertschätzung dessen ist Teil unserer DNA und des Selbstverständnisses miteinander.  

Klar ist aber auch: wir sind Dienstleister. Das Wort impliziert „dienen“ und „leisten“. Das heißt: wenn ein Mandat brennt, müssen wir da sein und uns im Team aufeinander verlassen können. Notfalls müssen dann persönliche Interessen auch einmal hintenangestellt werden. Das gehört zu unserem Beruf dazu. Und es macht, wenn es nötig ist, dann auch großen Spaß, gerade im Team. 

Was ist ihr Ratschlag an junge Menschen, die einmal Anwalt werden möchten? 

Schaut euch die unterschiedlichen Kanzleiformate genau an. Denn von der Art der Kanzlei hängt auch die Art des Arbeitens und der Fortentwicklung ab. Im Falle von jungen Juristinnen: Schaut Euch an, wie Frauen gefördert werden (und damit meine ich gerade nicht nur die Möglichkeit der Teilzeitarbeit!). Und unterschätzt den Druck nicht, der mit dem Anwaltsberuf verbunden ist. Wer einen bequemen Job möchte, sollte nicht Anwalt oder Anwältin werden.  

Was würden Sie heute wahrscheinlich machen, wenn Sie nicht Anwältin geworden wären?  

Höchstwahrscheinlich wäre ich Interior Designerin oder Architektin geworden, würde also jetzt Wohnungen und Häuser bauen und / oder einrichten.  

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung neben der Juristerei? 

Ich habe zwei wundervolle, großartige Kinder. Viel Zeit gehört ihnen und meiner Familie. Ansonsten: Kunst / Design sind nach wie vor meine Leidenschaft, Reisen und raus in die Natur mit wahlweise Meer oder Bergen.  

Mehr Infos: Arbeitgeberprofil von SKW Schwarz

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