Bewerbung und Jobwechsel

In 6 Schritten den rich­tigen Arbeit­geber finden

von Carmen SchönLesedauer: 5 Minuten
Drei Arbeitgeberwechsel in den ersten vier Berufsjahren – das ist für den Lebenslauf und die weitere Karriere kein guter Start. Und daher sollte sich jeder vor der Bewerbung gut überlegen, welcher Arbeitgeber der passende sein könnte. Natürlich kann nicht jedes Detail vorab eruiert werden, aber der grobe Rahmen sollte stimmig sein. Carmen Schön erklärt, wie das gelingt.
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1. Stellenbörsen – welche gibt es?

Stellenbörsen gibt es heutzutage mehr als genug. Und damit wird die Suche nicht einfacher. Natürlich kann man sich immer noch an die klassische Variante halten und am Wochenende die Stellengesuche der regionalen und auch überregionalen Tages- und Wirtschaftspresse studieren. Daneben existieren Fachzeitschriften für Juristen, wie die NJW oder auch Juve, in denen regelmäßig Stellengesuche veröffentlicht werden. Auch in den entsprechenden Nischenzeitschriften für spezielle juristische Themen sollte man schauen. Aber nur die Printmedien bei Stellensuche heranzuziehen, ist heute etwas zu kurz gefasst. Denn die meisten Arbeitgeber suchen mittlerweile ausschließlich oder ergänzend online geeignete Kandidaten. Und daher ist es wichtig, die Suche zu erweitern und in den bekannten Jobbörsen wie z.B. Experteer, Jobs.de*, Monster oder Stepstone sein Profil zu platzieren. So bekommt man im so genannten Push-Verfahren einen Hinweis per E-Mail, wenn ein neues Stellengesuch eingestellt wurde, auf das das eigene Profil passt. Nicht jede Internetstellenbörse eignet sich für jeden Kandidaten. In einigen werden schwerpunktmäßig Führungspositionen angeboten, andere sind für Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung gedacht. Es lohnt sich daher, vorab abzugleichen, ob der eigene Zieljob in einem Portal auch angeboten wird. Neben den allgemeinen Portalen gibt es aber auch spezielle für Juristen wie z.B. den LTO-Stellenmarkt, www.azur-online.de, www.beck-stellenmarkt.dewww.juraforum.de, oder www.legalcareers.de. Große Kanzleien suchen auch über E-Fellows und Clavisto geeignete Kandidaten. Nicht vergessen: Viele Unternehmen und Kanzleien betreiben auf Facebook eine eigene Karriereseite. Und natürlich findet man oft auch direkt auf der Website des Arbeitgebers einen Karriere-Bereich, in dem man sich über aktuelle Stellenangebote informieren kann.

2. Stellenanzeigen entschlüsseln – welche passt zu mir?

Stellenanzeigen gibt es viele – aber welche passt auf das eigene Profil? Grundsätzlich sollte man sich nur auf solche bewerben, bei denen das eigene Profil passend erscheint. Daher ist es wichtig, dass die eigenen Stärken erkannt werden. Dazu sollte man auf einem Blatt Papier auflisten, was man bislang im Leben gemacht hat, welche Praktika oder auch Jobs man absolviert hat, mit welchen Themengebieten man sich befasst hat und worin man richtig gut ist. Dann sollte diese Liste mit der Stellenanzeige abgeglichen werden. Wo gibt es Übereinstimmungen und wo auch nicht? Passt das eigene Profil mit dem Stellengesuch kaum zusammen macht es wenig Sinn, sich zu bewerben.

3. Stellenanforderungen – welche muss man erfüllen?

Gesucht wird – der Kandidat, der in jungen Jahren schon alles kann. Insofern sollte man sich nicht von Stellenausschreibungen abschrecken lassen, denn nicht immer müssen alle Anforderungen zu 100% erfüllt werden. Dennoch gibt es Kriterien, die für den Arbeitgeber unverzichtbar sind. Grundsätzlich gilt, dass die ersten genannten Anforderungen einer Stellenanzeige ein "Muss" sind, die im zweiten Teil folgenden dann ein "Kann" sind. Wird also ein Jurist mit dem Schwerpunkt Gesellschaftsrecht gesucht, der bereits mehrjährige Erfahrungen im Unternehmen gesammelt hat, dann wird man als frisch gebackener Jurist mit Schwerpunkt Arbeitsrecht wohl kaum eine Chance haben. Steht allerdings im zweiten Textteil, dass französische Sprachkenntnisse und ein betriebswirtschaftlicher Hintergrund zusätzlich von Vorteil seien, dann wird man darauf im Zweifelsfalle auch verzichten, wenn die Hauptkriterien zutreffen. Man sollte seine eigenen Stärken mit den gesuchten Attributen abgleichen. Je mehr Treffer, desto passender ist der Job.

4. Initiativbewerbung – Schlüssel zum Erfolg?

Auf eine ausgeschriebene Stelle kommen viele Bewerber, so dass sich Initiativbewerbungen anbieten können. Unternehmen suchen potentiell immer qualifizierte Mitarbeiter. Natürlich sollte man nicht damit rechnen, gleich zu einem Gespräch eingeladen zu werden, aber oftmals werden Bewerbungsunterlagen von interessanten Kandidaten erst einmal intern abgelegt und wieder hervorgeholt, wenn Bedarf entsteht. Die Initiativbewerbung sollte genau so professionell gestaltet werden, wie eine Bewerbung auf eine konkrete Stelle. Um sicher zu sein, dass sich dieser Aufwand lohnt, sollte man sich vorab in einem Telefonat kurz vorzustellen und erfragen, ob das Unternehmen an einer Initiativbewerbung interessiert ist.

5. Selbstvermarktung

Die Selbstvermarktung ist heutzutage ein wichtiges Thema, gerade bei Kandidaten, die schon einige Jahre im Job unterwegs sind. Daher sollte ein eigenes Profil auf Xing zum Pflichtprogramm gehören. Aber Vorsicht: Hat man einen Job und orientiert sich parallel anderweitig, sollte man dieses unter dem Bereich "Suche" nicht zu offen legen. Personalberater suchen über Xing und werden schon dann auf einen Kandidaten aufmerksam, wenn das Profil passend erscheint. Denn jeder Headhunter weiß, dass viele Mitarbeiter durchaus zu einem Wechsel bereit sind, wenn die Rahmenbedingungen stimmig sind. Es kann auch sinnvoll sein, aktiv auf einen Headhunter zuzugehen. Jedoch ist es nicht leicht, den richtigen zu finden. Ihre Qualitäten sind sehr unterschiedlich. In Zeitschriften wie Juve findet man Adressen von Personalberatern, die sich speziell auf Juristen konzentrieren.

6. Vitamin B – sollte ich Kontakte nutzen?

Grundsätzlich sollte man im Job darauf achten, die eigenen Netzwerke kontinuierlich auszubauen. Auch wenn man derzeit keinen Wechsel anstrebt, ein Jobwechsel kann sich jederzeit ankündigen. Viele Menschen verfügen über gute Kontakte, trauen sich aber nicht, diese im Rahmen einer Stellensuche auch zu aktivieren. Natürlich besteht ein Netzwerk aus Geben und Nehmen und wer nur nimmt, verletzt diese Regeln. Es ist aber durchaus legitim, nicht gleichzeitig zu geben, wenn man nehmen möchte. Sucht man also nach einem neuen Job, dann kann man ohne ein Geschenk mitzubringen durchaus persönliche Kontakte aktivieren. Warum nicht einfach einige Schlüsselpersonen mal wieder anrufen, fragen, wie es diesen geht, etwas plaudern und dabei erwähnen, dass man sich gerade beruflich verändern möchte? Wichtig ist dabei mitzuteilen, was genau man sucht. Der andere hat nun die Wahl: entweder er unterstützt oder er tut es nicht. Man kann niemanden zwingen zu netzwerken, aber die meisten Menschen wissen, dass auch sie irgendwann einmal von anderen etwas brauchen. Wenn Sie diese Punkte beachten, dann kann bei der Auswahl des richtigen Arbeitsgebers nicht mehr viel schief gehen – dabei wünsche ich Ihnen viel Glück! Carmen Schön war Justiziarin der MobilCom AG und Mitbegründerin der freenet.de AG. Heute arbeitet sie als Erfolgscoach, Professional Speaker und Buchautorin. Von ihr erschienen sind u.a. "Traumjob 'Rechtsanwalt in einer internationalen Wirtschaftskanzlei'. Mit den richtigen Bewerbungstipps punkten", "Die geheimen Tricks der Arbeitgeber" und "Karriere-DNA – Warum Glück im Job kein Zufall ist". [*Anm. d. Red.: Vormals "JobScout24.de"]

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