Kommunikationsunterschiede bei Frauen und Männern

Was will er ihr sagen?

von Ute FreundlLesedauer: 5 Minuten

Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern in der Art der Kommunikation sind immens. Im Job kann das zu ständigen Konflikten führen. Das Verhalten des Gegenübers zu verstehen, kann der Anfang einer Lösung sein.

Frauen und Männer kommunizieren unterschiedlich. Sie haben es womöglich selbst schon erlebt: Eine Frau redet im Meeting, der männliche Kollege sagt anschließend noch einmal inhaltlich genau das gleiche – doch nur das, was der Mann sagt, bleibt im Gedächtnis? Das ist kein Zufall – und gleichwohl nicht zwangsläufig böse Absicht des Mannes.

Wenn Frauen kommunizieren, treten sie sprachlich in Beziehung zu ihren Gesprächspartnern, sie bleiben selbstkritisch, ihre Sprache ist wortreicher und emotionaler als die ihres männlichen Gegenübers, sie suchen Harmonie im Gespräch und unterstützen den Dialog. Frauen hören aktiv zu, indem sie das Gesagte durch ihre Haltung kommentieren, sie nutzen mehr sprachliche Weichmacher wie z.B. Konjunktivformen, reden mit einer höheren Stimme und schneller, was von Männern gern als Unsicherheit ausgelegt wird.

Männer dagegen nutzen Sprache zur konstruktiven Lösungsfindung, sind faktenorientierter und verwenden abstraktere Wörter. Sie setzen Sprache als Machtinstrument ein. Erfolgsdenken prägt ihre gesamte Kommunikation, inklusive Körpersprache und Stimmgebung. Während Frauen häufig an das Gesagte anknüpfen, springen Männer gern zu dem Thema, mit dem sie sich positionieren wollen – was von Frauen wiederum als unhöflich empfunden wird.

Weibliche Beziehungs- versus männliche Statusbrille

Die Management-Trainerin Cristina Muderlak spricht von einer Prototypensemantik, die die verschiedenen Denkweisen bestimmt: Die im Grunde sprachlich überlegenen Frauen drückten sich differenzierter und wortreicher aus. Um Dominanz und Führungswillen zu demonstrieren, nutzten Männer aber ihre dunklere und lautere Stimme, setzten auf strategische Betonung und klare Aussagen. Bei Frauen sei der Führungswillen oft nicht eindeutig – oder zumindest für die Männer nicht erkennbar: "Frauen beziehen sich gern auf andere und wägen ab, Männer stellen die Dinge einfach mal in den Raum", so Muderlak. Es brauche aber beides zur richtigen Zeit.

Für die Männer heiße das, den Nutzen einer komplexeren, weiblichen Kommunikation zu erkennen, während Frauen in männlicher Umgebung mehr Präsenz und Mut zur Eindeutigkeit zeigen sollen: Dabei gelte die Formel "Kurz – Punkt – Pause": "Der wichtigste Schlüssel zur Wirksamkeit ist der kurze und klare Satzbau, ohne Nebensätze, mit direkten Formulierungen, ohne Konjunktiv und mit eindeutiger Wortwahl. Ein hörbares Satzende durch Absenken der Stimmmelodie – der Punkt – verschafft Aufmerksamkeit. Außerdem geben Pausen die Gelegenheit, das Gehörte zu verarbeiten und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass es behalten wird."

Allgemein rät sie Frauen, in männlich dominierten Kommunikationsrunden nicht zu höflich sein, die Konjunktive wegzulassen, klare Aussagen zu treffen. Männer unterbrechen gern, um ihr Thema auf den Tisch zu bringen. Frauen sollen dann nicht zurückstecken, sondern konsequent zu ihrem Standpunkt zurückkommen und ihn mit Wiederholungen betonen – aufrecht und mit klarer Stimme. So finden sie mehr Gehör.

Mehr Raum einnehmen

"Körpersprachlich geben Frauen Raum, Männer nehmen ihn sich. Frauen wollen so Fehler vermeiden", erklärt Muderlak. Männer seien risikobereiter und drückten dies auch körperlich aus. Stefan Verra, österreichischer Autor und Experte für Körpersprache, beschreibt das so: "Männer nehmen tendenziell mehr Raum ein, treten geräuschvoller auf. Der archaische Territorialanspruch ist hier noch sehr präsent. Zum Beispiel gestikulieren Männer etwas breiter. Erkennbar an dem kleinen Abstand zwischen Rumpf und Ellbogen. Frauen sind hier enger, meist liegen die Ellbogen am Rumpf an und sie bewegen eher nur ihre Unterarme. Somit ist ihre Wirkung weniger raumgreifend".

Verra empfiehlt Frauen, in manchen Situationen ein klein wenig breiter aufzutreten und sich zugleich darauf zu konzentrieren, was sie im Vergleich zu den Männern besser können: schnell Verbindung zu anderen Menschen herstellen und Vertrauen aufbauen.

"Alles was sich nach Überzeugung anhört wird ernst genommen. Möglichkeiten und Vorschläge eher nicht", fasst Muderlak zusammen. Und manchmal brauche es Mut, um sich das Wort zurückzuholen: Die größte Erfolgschance habe, mit Charme und Bestimmtheit dem Kollegen für seinen ergänzenden Hinweis zu danken und wieder zur eigenen Argumentation zurückzukommen. Wichtig sei auch hier, Körpersprache einzusetzen: "Setzen oder stellen Sie sich möglichst aufrecht und nehmen Sie Raum ein. Das geht auch virtuell", so Muderlak.

Das eigene Selbstverständnis

Verra geht davon aus, dass sich Frauen und Männer zunächst nicht in ihrer Körpersprachlichkeit unterscheiden – bis zur Pubertät. Dann beginnen sie, sich vom anderen Geschlecht unterscheiden zu wollen. Dies habe im Beruf starke Auswirkungen, v.a. wenn wir zu sehr in eine Richtung tendieren: "Wir tappen alle in die gleiche Falle, zu sehr unsere Geschlechtszugehörigkeit zeigen zu wollen". Er rät dazu, sich eine möglichst große Vielfalt in der Körpersprache zu erhalten, Kontakt mit den Gesprächspartnern herzustellen, weder bedrohlich noch überheblich zu wirken und bei Fragen eine entschiedene, zugewandte Haltung zu zeigen.

Wie aber können Frauen ihre Interessen formulieren, ohne gleich als Bedenkenträgerinnen abgestempelt zu werden? Das Wichtigste sei dabei, so Muderlak, das eigene Selbstverständnis: "Sie sind diejenigen, die sinnvolle Ergänzungen machen und den Horizont erweitern. Jemand, der wichtige Alternativen aufzeigt, wirkt viel konstruktiver als jemand, der etwas in Frage stellt. Gerade im Umgang mit Männern ist es wirksamer auf "andere, neue Lösungsansätze" hinzuweisen, als den Finger auf das Versäumte zu legen", meint die Sprachexpertin. "Wenn es mehr Zeit für ein Projekt braucht, lässt "Mann" leichter mit sich diskutieren, wenn er erkennt, worin der Vorteil liegt, sich Zeit zu nehmen".

Egal ob Verhandlung, Meeting oder Kundengespräch – hilfreich für die Kommunikation ist es, herauszufinden, welche körpersprachlichen Befindlichkeiten im Raum sind. Denn nur, wenn wir diese objektiv wahrnehmen, können wir darauf eingehen. Ein paar Tricks in Sachen Körpersprache lassen sich erlernen – so etwa der, wie Verra ihn nennt, "Putinblick", um Druck aufzubauen: Ein nach vorn geneigter Kopf signalisiere Kampfeslust, unbewegte Mimik und ein stechender Blick sorgen für Durchsetzungsvermögen. Wird dieser Blick gekonnt eingesetzt, funktioniert er bei Frauen wie Männern, meint der Experte.

Und im Fall der ewigen Wiederholungen durch die männlichen Kollegen? Cristina Muderlak rät Frauen in solch einem Fall höflich, aber bestimmt das Gesagte wiederaufzunehmen und zu kommentieren, zum Beispiel: "Es freut mich, dass Kollege xy mein Argument von vorhin aufgenommen hat, nämlich …" Oder "Dann sind Sie also meiner Meinung, dass …". Sie betont, im Zuge der Antwort das eigene Argument noch einmal knapp und klar zu wiederholen. Dann besteht eine Chance, dass es ankommt.

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