Partnerinnen in Großkanzleien: Dr. Heike Weber

"Mir war immer wichtig, mein eigenes Ding zu machen"

von Christian GrohganzLesedauer: 4 Minuten
Drei Frauen, drei Lebenswege, eine Gemeinsamkeit: Sie alle sind Partnerin in einer Großkanzlei. Wir haben sie nach ihrem persönlichen Erfolgsrezept gefragt und nach den Hürden, die sie auf ihrem Weg an die Spitze überwinden mussten. Im dritten Teil unserer Serie: Dr. Heike Weber, Rechtsanwältin und Steuerberaterin bei Allen & Overy in Frankfurt.
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LTO: Frau Dr. Weber, Sie sind Partnerin bei Allen & Overy. Zudem sind Sie in einem international geprägten Bereich tätig, wo man mitunter auch unterschiedliche Zeitzonen berücksichtigen muss. Gibt es da Einschränkungen im Privat und Familienleben? Weber: Sicherlich habe ich keinen "9-to-5" Job und Telefonkonferenzen früh morgens, spät abends oder auch am Wochenende kommen durchaus vor. Allerdings können wir dank Blackberry und vollwertigem IT-Zugang von unterwegs so flexibel arbeiten, dass sich die Einschränkungen des Privat- und Familienlebens minimieren lassen. Es ist kein Geheimnis, dass in einer internationalen Wirtschaftskanzlei viel gearbeitet wird. Darum ist es so wichtig, sich Freiräume zu schaffen, die man dann mit der Familie verbringen kann. LTO: Bietet Ihre Kanzlei auch Teilzeitmodelle an? Gibt es bei Ihnen sogenannte Teilzeit-Partner? Oder gar Möglichkeiten, Kinder betreuen zu lassen? Weber: Wir bieten ganz unterschiedliche Varianten für Teilzeitarbeit an, bereits seit einigen Jahren  beispielsweise auch die Teilzeitpartnerschaft. Daneben unterstützen wir berufstätige Eltern dadurch, dass wir Krippenplätze bezuschussen und Backup-Plätze in einer Einrichtung vorhalten, die jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter in Anspruch nehmen kann, wenn die übliche Kinderbetreuung ausfällt. LTO: Sie sind vielbeschäftigte Partnerin im Steuerrecht. Muss Ihr Partner Hausmann sein, um all das mit Elternschaft zu verbinden? Weber: Nein. Seit knapp vier Jahren verbinden wir Elternschaft und zwei Vollzeitberufe, die uns Spaß machen. Dies ist aber nur möglich, wenn man große Teile der Hausarbeit outsourct und klare Prioritäten setzt. Außerdem erfordert es, flexibel auf die jeweils aktuelle Situation zu reagieren und es hilft auch, ein gutes Netzwerk aus Familie, Freunden und Nachbarn zu haben, wenn zum Beispiel einer von uns beiden ungeplant ausfällt.

"Die bessere Planbarkeit der steuerlichen Mandate erleichtert mir den Alltag"

LTO: Haben Sie Ihre Karriere geplant? Und warum in der Großkanzlei und nicht zum Beispiel der jedenfalls auf dem Papier einfachere Weg in einer Behörde? Weber: Ich habe meine Karriere sicherlich nicht in dem Sinn geplant, dass ich mir einen bestimmten Zeitplan bis zur Partnerschaft gesetzt habe. Allerdings habe ich doch kontinuierlich an meiner Karriere gearbeitet und zum Beispiel nach der Geburt meines Sohnes nur ein halbes Jahr Auszeit genommen. An der Großkanzlei faszinieren mich das internationale Umfeld, die spannenden Aufgaben und die komplexen Fragestellungen. Es macht Spaß, im Team mit sehr guten und engagierten Kollegen  zusammenzuarbeiten. LTO: Inwieweit hängt die Machbarkeit Ihres Jobs mit dessen Inhalt zusammen? Wäre es im Bereich M & A schwieriger als im Steuerrecht? Weber: In der Tat würde sich aus meiner Sicht eine Vereinbarung von Familie und Beruf im reinen Transaktionsgeschäft wohl schwieriger darstellen als im Steuerrecht. Im Steuerrecht bin ich ungefähr die Hälfte meiner Zeit mit eigenständigen Steuermandaten beschäftigt, die regelmäßig nicht unter so engem Termindruck stehen wie Transaktionen. Die andere Hälfte meiner Zeit verbringe ich zwar mit Transaktionsgeschäft, dessen Hochphasen für Steuerrechtler aber regelmäßig nur ein oder zwei Wochen betragen. Die teilweise bessere Planbarkeit der steuerlichen Mandate erleichtert mir den Alltag doch erheblich. Wir haben aber in Deutschland und international auch Kolleginnen und Kollegen in allen Karrierestufen, die erfolgreich in Teilzeit im Transaktionsgeschäft arbeiten. LTO: Negieren wir Tatsachen, wenn Frauen behaupten, wie Männer zu agieren? Und nehmen uns damit vielleicht gar Möglichkeiten, Weibliches oder weibliche Eigenschaften produktiv einzusetzen? Weber: Frauen haben regelmäßig eine andere Art zu netzwerken und eine andere Art Teams zu führen. Man sollte jede/jeden nach ihren/seinen Fähigkeiten einsetzen.

"Unabhängig vom Geschlecht ist es wichtig, dass die Chemie stimmt"

LTO: Haben Sie sich jemals wegen Ihres Geschlechts "diskriminiert" gefühlt? Weber: Nein. LTO: Stichwort "gläserne Decke": Was haben Sie anders gemacht als viele Ihrer Geschlechtsgenossinnen? Weber: Mir war immer wichtig, mein eigenes Ding zu machen und mich nicht von dem vermeintlich Unmöglichen abschrecken zu lassen. Im Gegenteil – ich empfand es als Herausforderung, mir und anderen zu beweisen, dass man auch als Frau und Mutter Karriere in einer internationalen Wirtschaftskanzlei machen kann. Zudem hatte ich aber auch das große Glück, in einem Team zu arbeiten, das mich zu jeder Phase meiner Karriere hervorragend gefördert und gefordert hat. LTO: Bei gleicher Qualifikation zweier Associates: Stellen Sie die Frau oder den Mann ein? Weber: Für den theoretischen Fall der gleichen Qualifikation von zwei Associates würde ich – unabhängig vom Geschlecht – die/den Associate einstellen, die/der besser ins Team passt. Die uns gestellten komplexen Aufgaben können wir nur im Team lösen und da ist es wichtig, dass die Chemie stimmt. LTO: Frau Dr. Weber, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. Das Interview führte Christian Grohganz.

Thema:

Anwaltsberuf

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