Juristin und Tattoo-Model

Carlin aus der Groß­kanzlei – oder auch nicht

von Tanja PodolskiLesedauer: 3 Minuten
Dove macht Werbung mit einer posierenden Juristin: Carlin ist Tattoo-Model – und hat kürzlich ihr Examen bestanden. Einer Twitter-Meldung zufolge arbeite sie bereits in einer Großkanzlei. Stimmt aber nicht, wie LTO erfuhr.
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Sie hat eine Menge Tattoos, ist 35 Jahre alt und egal, was man von Tattoo halten mag: Ihre Fotos sind schön. Da nimmt das aus der aktuellen Werbung vielleicht nicht den ersten Platz in der Liste ihrer besten Werke ein – aber es kursieren Bilder im Netz, die schlichtweg eine schöne Frau zeigen. Doch schöne Frauen gibt es viele. Selten allerdings kommt es vor, dass eine so stark tätowiert ist und deswegen in der Werbung damit auffällt, dass sie bald "als Referendarin in einer großen Kanzlei arbeiten" soll. Ihre wahre Identität weiß sie gut zu wahren. Die Frau nennt sich in den Medien Carlin Mimicri – unter diesem Künstlernamen läuft auch ihr Facebook-Profil. Dort findet sich inzwischen ein Dokument über die im September 2016 an der Goethe-Universität Frankfurt erfolgreich abgelegte Prüfung zur Diplom-Juristin. Sie selbst kommentiert das Dokument auf Facebook mit: "Nichts im Leben musste ich mir bisher so schwer erarbeiten. Nichts hat mich so sehr zweifeln lassen und so viel Kraft gekostet. Aber jetzt endlich halte ich das für mich bedeutendste Stückchen Papier in der Hand."

Schlechte Erfahrung als Tätowierte während des Studiums

Das erste Examen hat sie also. Doch während die Dove-Werbung formuliert, Carlin werde "demnächst in einer großen Kanzlei arbeiten", wurde daraus auf Twitter, sie arbeite bereits in einer Großkanzlei. Das tut sie nicht. Und hat sie auch nie. Fakt ist: Carlin kommt aus Offenbach. Gemodelt hat sie unter diesem Name bereits 2007, sie wurde auch damals schon als Studentin vermarktet. Damals hat sie im Gespräch mit OP Online offen über ihre Erfahrungen im Studium gesprochen: Bei einer Gerichtsverhandlung habe der Richter geglaubt, sie sei die Angeklagte. Tätowierungen würden leider immer noch mit Asozialem verbunden, daher habe sie auch zu ihren Polohemden tragenden Kommilitonen kaum Kontakt. Die Frau in der aktuellen Werbung sagt: "Meine Schönheit ist meine Entscheidung. Sie sagen, ich bin zu bunt für eine Karriere. Ich sage: Meine Tattoos sind wie eine zweite Haut für mich und halten mich nicht davon ab, meinen Weg zu gehen." Und der soll so weitergehen: Die frisch gebackene Diplom-Juristin möchte das zweite Examen machen und dann Anwältin werden.

Kein Typ für eine große Kanzlei

Für Carlin, deren richtiger Name LTO bekannt ist, ist das Jurastudium der zweite Studiengang, den sie erfolgreich absolviert hat. Sie ist bereits Diplom-Pädagogin - und hat tatsächlich parallel zum Studium in einer Kanzlei gearbeitet, allerdings in einer kleinen zwei-Mann-Kanzlei, das scheint eher zu ihr zu passen. "Mein Chef war anfangs skeptisch wegen meines Äußeren, aber mittlerweile ist er richtig aufgeschlossen. Er ist sogar derjenige, der mich damals zum Jurastudium ermuntert hat", erzählte Carlin ebenfalls im Gespräch mit OP Online. Für den Anwaltsberuf auf künftige Tattoos verzichten, sei demnach keine Option, lediglich Gesicht und Hals sollten tattoofrei bleiben:  "Das wäre schon schon sehr krass." Diesen Job hat sie inzwischen gekündigt, weil sie sich auf das Referendariat konzentrieren will. Carlin hofft auf eine Zusage für März. Und später? "Familienrecht, vielleicht sogar Rentenrecht", teilt Carlin mit. "Klingt langweilig, aber mich interessieren die medizinischen und psychologischen Aspekte in diesem Rechtsgebiet sehr."

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