ClickCease.law & Co: Top-level Domains für Juristen
Top-level Domains für Juristen

.law, .lawyer und .legal

von Stefan MeyLesedauer: 5 Minuten
Seit Jahren vollzieht sich die größte Strukturreform in der jungen Geschichte des Internet. Hunderte neuer Domain-Endungen werden freigeschaltet, einige davon speziell für die Rechtsbranche. Welche es gibt und was sie nützen, erklärt Stefan Mey.
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Eine Anwalts-Webseite endet auf .de oder .com, vielleicht auch einmal auf .net, was sonst? Die Auswahlmöglichkeiten im Netz waren lange Zeit sehr begrenzt. Mit der aktuellen Domainreform soll das anders werden. Seit Ende 2013 führt die globale Internetverwaltung ICANN (Internet Corporation für Assigned Names and Numbers) sukzessive hunderte neuer Endungen ein. Die neuen Top-level Domains, wie es in der Tech-Sprache heißt, beziehen sich wie .berlin oder .bayern auf Städte und Regionen, wie .auto oder .reisen auf Branchen oder wie .shop oder .kaufen auf allgemeine Verkaufsangebote.  Für eine Gebühr von 185.000 US-Dollar konnte sich im Jahr 2012 jeder um das Recht bewerben, eine frei gewählte Internetendung auf Grundlage eines Vertrags mit der ICANN vermarkten zu dürfen – melden sich mehrere Vermittler für dieselbe Domain, findet eine Auktion statt. Knapp 2.000 Anträge um etwa 1.400 Endungen gingen von verschiedenen Domainvermittlern ein. Seit Ende 2013 werden sie sukzessive freigeschaltet.

Fünf neue Endungen für die Rechtsbranche

Fünf Endungen richten sich explizit an Juristinnen und Juristen: .law, .lawyer und .abogado (spanisch für "Anwalt"), .attorney und .legal. Die Inhaber gehören zu den Großen des globalen Domaingeschäfts. Hinter .legal steht das US-Startup Donuts, hinter .lawyer und .attorney das US-Unternehmen Rightside. Die Endungen .law und .abogado werden von Minds + Machines betrieben, das seinen Hauptsitz auf den britischen Jungferninseln hat. Explizit deutschsprachige Jura-Endungen wie etwa .recht oder .anwalt gibt es nicht, weil niemand dafür einen Antrag bei der ICANN gestellt hatte. Die Betreiber der Endungen haben unterschiedliche Konzepte und Preismodelle: Während auf .lawyer, .legal und .attorney grundsätzlich jeder eine Domain bekommen kann, soll der Nutzerkreis auf .law und .abogado eingeschränkt werden. Adressen dürfen dort nur zugelassene Anwälte registrieren, wie es in den häufig gestellten Fragen zu den beiden Top-level Domains heißt. Interessenten müssen unter anderem das Datum ihrer Erstzulassung und die zuständige Anwaltskammer nennen; die Nutzungsgebühr für eine der offenen Jura-Endungen liegen zwischen 20 und 80 Euro jährlich. Eine Webadresse unter der Endung .law schlägt mit 240 bis 300 Euro pro Jahr zu Buche - Branchengerüchten zufolge wurde in der Auktion für die .law-Vergaberechte allerdings auch die stolze Summe von 19 Millionen US-Dollar geboten. Die Preise für die Nutzung einer Internetadresse unter der jeweiligen Domain legen die zur Vergabe berechtigten Registrare fest - in Deutschland etwa United Domains, Strato oder Key Systems.

Welche Vorteile die neuen Domains bringen – und warum sie auch schaden können

Um Kunden für die neuen Adressen zu gewinnen und die höheren Preise zu rechtfertigen, die deutlich über denen der klassischen Endungen .de und .com liegen, werben die Betreiber der neuen Endungen gern mit Marketing-Vorteilen, vor allem bei der Suchmaschinenoptimierung (SEO). Noch ist allerdings offen, wie viel eine thematisch passende Domain wirklich nützt. Suchmaschinen-Experten wie Hanns Kronenberg vom Seo-Softwareanbieter Sistrix sind skeptisch: "Die offizielle Aussage von Google ist, dass neue Top-level Domains keinen besonderen Vorteil besitzen. Ich halte diese Aussage für sehr glaubhaft", sagt Kronenberg. Das Ziel von Google sei es, Nutzern die möglichst besten Treffer anzuzeigen. Die Registrierung unter einer bestimmten Endung bedeute nicht automatisch, dass die jeweilige Webseite auch qualitativ besonders hochwertig sei. Das gelte umso mehr, wenn die Domains für jedermann frei registrierbar sind. Bei restriktiveren Endungen wie .law wäre denkbar, dass Google die Endung als Qualitäts-Indikator sieht. Allerdings befänden sich die meisten Anwaltskanzleien bisher unter einer der traditionellen Endungen und würden dort wohl auch bleiben. Da stelle sich die Frage, wieso Google diese Webseiten benachteiligen sollte. Zudem glaubt Kronenberg, dass die neuen Endungen ein gewisses Risiko bezüglich der Nutzerakzeptanz bergen, weil viele Internetnutzer sie schlicht noch nicht kennen. Die neuen Auswahlmöglichkeiten seien aber an sich positiv, denn unter den klassischen Domain-Endungen seien die meisten attraktiven Adressen bereits vergeben. Sein Urteil fällt gemischt aus: "Unterm Strich sehe ich erst einmal nur einen Vorteil bezüglich der Auswahlmöglichkeit. Bezüglich der Akzeptanz muss man kurzfristig erst einmal mit Nachteilen rechnen, und Google bewertet die neuen Top-level Domains vorerst neutral." Diese Vor- und Nachteile müsse man gegeneinander abwägen.

2/2: Deutsche Pioniere auf .legal und .lawyer

Blick man auf die Nutzungszahlen, zeigt sich eine klare Rangordnung: am erfolgreichsten ist nach Angaben des Branchendienstes ntldstats.com die Endung .lawyer, auf der bisher 13.300 Domains registriert wurden. Es folgen .attorney und .legal (mit jeweils um die 8.000) und .law mit 5.200 Adressen. Das spanische .abogado dümpelt mit 200 verkauften Domains vor sich hin. Erwartungsgemäß werden die Endungen meist von Kanzleien in englischsprachigen Ländern genutzt, vor allem von solchen aus den USA. Eine der ersten deutschen Nutzerinnen ist die Mannheimer Juristin Sabine Nielsen. Sie ist als nach englischem Recht zugelassene Anwältin (Solicitor of England and Wales) unter nielsen.legal zu finden. Grund für die Wahl einer neuen Top-level Domain war die Adressknappheit im alten System. "Da ich eine Einzelkanzlei habe, ist natürlich mein Name der wichtigste Verkaufspunkt. Doch leider ist mein Name sehr verbreitet, und es war in der Vergangenheit schwer, eine Variation meines Namens zu finden, welcher zu .de oder .com oder anderen gängigen oder möglichen Endungen passen würde." Die Branchenfokussierung der neuen Endungen begrüßt sie: "Damit man gezielt auf den Beruf aufmerksam machen kann, finde ich eine solche neue Endung sehr sinnvoll. Man will sich ja von der Masse abheben." Ein Mustermann.legal sage eben mehr aus als ein Mustermann.com.

"Ach, die Endung gibt es jetzt auch?"

Auch der Donauwörther Anwalt Michael Langhans war auf der Suche nach einer neuen Präsenz im Netz: "Ich hatte damals nur rechtsanwalt-langhans.com registriert. Da ein Kollege rechtsanwalt-langhans.de hat, kam es zu Verwechslungen. Also musste eine neue Domain her. .lawyer war damals verfügbar, .law, das ich präferiert hatte, noch nicht." Auch er begrüßt das Konzept der Branchen-Endungen: "Eine Domain, die die Profession in der Top-level Domain erkennen lässt, ist sehr sinnvoll." Wie sich die neuen Endungen auswirken, können die beiden noch nicht sagen. "Keine besonderen Erfahrungen", meint Langhans – einmal davon abgesehen, dass er bisweilen "Lawyer" buchstabieren müsse. Da beim Webtraffic viele Aspekte zusammenkommen, sei es schwer abzuschätzen, ob potentielle Mandanten sie gerade wegen der neuen Webseiten-Endung suchen und finden, sagt Sabine Nielsen. Sie merke allerdings immer wieder, dass die neuen Endungen ein sehr junges Phänomen sind: "Wenn ich Kollegen oder Mandanten meine Mailadresse oder Webseite nenne, sind die doch oft verblüfft, weil sie noch gar nicht wussten, dass es die Endung gibt.'" Stefan Mey ist freier Fach-Journalist und beschäftigt sich mit Entwicklungen im Netz.

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