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Was muss ich beachten, wenn ich Kinder habe oder erwarte?

Wer vor dem Zweiten Staatsexamen eine Familie gründet, muss das jeweilige Ausbildungsgesetz und die jeweilige Prüfungsordnung im Auge behalten: Der Familienstand hat Einfluss auf das Referendariat.  

Das kann – länderabhängig - schon bei der Bewerbung um einen Referendarsplatz beginnen: In Hamburg wird Eltern beispielsweise ein zusätzlicher Examenspunkt angerechnet, in Berlin eine fiktive Wartezeit von sechs Monaten. So rutschen sie auf der Warteliste nach oben. Die Hamburger Extrapunkte gibt es allerdings nur für Eltern, die ihr Erstes Staatsexamen ebenfalls in der Hansestadt gemacht haben. Bei der Verteilung auf die einzelnen Ausbildungsgerichte werden Eltern – ebenso wie verheiratete oder schwerbehinderte Bewerber:innen – zudem bevorzugt an ihren Wunschstandorten eingesetzt. 

Ob und inwiefern während der einzelnen Stationen Rücksicht genommen wird, ist dagegen von Land zu Land und von Gericht zu Gericht unterschiedlich. Das Berliner Kammergericht bietet zum Beispiel spezielle Eltern-Arbeitsgemeinschaften an, die auf die Kinderbetreuungszeiten abgestimmt sind. 

Die Kinder machen sich auch auf dem Konto bemerkbar: Alle Länder zahlen ihren Referendar:innen Familienzuschüsse zur Unterhaltsbeihilfe bzw. Besoldung, also zum Grundgehalt. Deren Höhe richtet sich meist nach den Besoldungsgesetzen für den öffentlichen Dienst und liegt damit im niedrigen dreistelligen Bereich.

Greift der Mutterschutz bei Referendarinnen?

Das Mutterschutzgesetz (MuSchG) gilt bundesweit und auch für Referendarinnen. Die einzelnen Bestimmungen wie die gesetzlichen Schutzvorschriften und Beschäftigungsverbote findet ihr im MuSchG.  

Für die letzten 6 Wochen vor der Geburt gilt ein relatives Beschäftigungsverbot. Das heißt, werdende Mütter dürfen in diesem Zeitraum nur beschäftigt werden, wenn sie sich hierzu ausdrücklich bereit erklären. 

Nach der Geburt greift bis zum Ablauf von mindestens acht Wochen das absolute Beschäftigungsverbot, vgl. § 3 Abs. 2 MuSchG. Bei Früh- oder Mehrlingsgeburten beträgt es 12 Wochen.

Haben Referendarinnen Anspruch auf Mutterschaftsgeld?

Eine Frau, die Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist, erhält für die Zeit der Schutzfristen vor und nach der Entbindung sowie für den Entbindungstag Mutterschaftsgeld, vgl. § 19 Abs. 1 MuSchG.

Haben Referendar:innen Anspruch auf Elternzeit und Elterngeld?

Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) gilt auch für Referendar:innen. Danach könnt ihr Elternzeit bis zur Vollendung des 3. Lebensjahres des Kindes bei Eurem Arbeitgeber beantragen.   

Bei der Planung der Elternzeit ist es sinnvoll den Verlauf der einzelnen Stationen im Auge zu behalten. Schließlich könnt ihr das Referendariat nicht willkürlich wieder aufnehmen. Ihr müsst immer an dem Punkt wieder einsteigen, ab dem ihr pausiert habt. Es ist also davon abhängig, wieviel man von der jeweiligen Station verpasst hat bzw. welche der Pflichtarbeiten man bereits erledigt hat. Da die Stationen einem Rhythmus unterliegen, müsst ihr euren Wiedereinstieg diesem entsprechend planen. Ihr werdet nämlich sodann einer anderen (Nachfolge-) AG, welche dann eurem jeweiligen Ausbildungsstand entspricht, zugewiesen. 

Elterngeld kann - je nachdem wie ihr die Elternzeit gestaltet – pro Elternteil maximal für 14 Monate bezogen werden, pro Elternteil maximal für 12 Monate. Man kann die Auszahlung über den doppelten Zeitraum strecken, bekommt dann aber – logisch – monatlich nur die Hälfte.  

Die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach den Netto-Einkünften in den letzten 12 Monaten vor der Geburt des Kindes und beträgt gewöhnlich 65% von diesem. Bei geringen Einkommen kann der Anteil höher sein. Liegt das zu berücksichtigende Netto-Einkommen zum Beispiel zwischen 1.200 € und 1.000 € beträgt es 67%. Elterngeld wird mindestens in Höhe von 300 Euro gezahlt, auch wenn zuvor kein Einkommen erzielt wurde. 

Elterngeld gibt es übrigens nicht automatisch während der Elternzeit – ihr müsst es bei der örtlichen Kindergeldstelle beantragen. Also nicht vergessen, den Antrag rechtzeitig einzureichen, denn rückwirkend wird das Elterngeld nur für 3 Monate gezahlt. 

Allgemeine Informationen zur Elternzeit und zum Elterngeld findet ihr auch hier:  

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/familie/familienleistungen/elternzeit 

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/familie/familienleistungen/elterngeld 

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/elterngeld--elterngeldplus-und-elternzeit-/73770

Haben Referendar:innen Anspruch auf Kindergeld für das eigene Kind?

Ja, ihr habt Anspruch auf Kindergeld. Es wird euch unabhängig von dem Einkommen monatlich ausgezahlt. Derzeit (Stand 01.01.2021) erhaltet ihr für das 1. und 2. Kind jeweils 219 € und für das 3. Kind weitere 225 €. Allgemeine Informationen zum Thema Kindergeld findet ihr auch hier: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/familie/familienleistungen/kindergeld