ClickCeaseLTO Small Talk: Was macht man als Bildungsrechtler?
Small Talk mit Bildungsrechtler Christian Reckling

Ver­hilft nicht nur Jura­stu­die­renden zu bes­seren Noten

von Pauline Dietrich (LL.M.)Lesedauer: 4 Minuten

Im Small Talk fragen wir Juristinnen und Juristen, was sie denn so machen. Heute: Christian Reckling über seinen Job als Rechtsanwalt im Prüfungs- und Hochschulrecht – und die Anfechtung von Noten im Jurastudium.

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LTO: Herr Reckling, Sie sind Fachanwalt für Verwaltungsrecht und auf das Prüfungs- und Hochschulrecht spezialisiert. Was genau macht man da?

Christian Reckling: Primär ist es meine tägliche Aufgabe, Prüfungen aller Art auf mögliche Verfahrens- und Beurteilungsfehler zu überprüfen – das reicht vom Abitur bis zum juristischen Staatsexamen. Außerdem bin ich im Hochschulzulassungsrecht tätig, das heißt, ich verhelfe Studienbewerberinnen und -bewerbern zu ihrem Wunschstudienplatz. Das Beamtenrecht ist ebenfalls Teil meiner anwaltlichen Tätigkeit, vor allem beamtenrechtliche Konkurrentenstreitigkeiten sowie Disziplinarverfahren bei möglichen Dienstpflichtverletzungen.

In den vergangenen Jahren ist verstärkt die Beratung privater und staatlich anerkannter Hochschulen hinzugekommen, so bei der Erstellung von Studien-, Promotions- oder Prüfungsordnungen und Studienverträgen - oder eben auch bei der technischen und rechtlichen Beratung und Umsetzung von digitalen Prüfungen.

Christian Reckling …

Ist als Rechtsanwalt im Prüfungs- und Hochschulrecht unterwegs

Hat einen Fachanwalt in Verwaltungsrecht

Arbeitet bei TEIPEL & PARTNER Rechtsanwälte in Hamburg

Beschäftigt sich auch nach seinen beiden juristischen Staatsexamen ständig mit Juraklausuren und deren Bewertung

Ist ein großer Fan des Films "Big" mit Tom Hanks

Trifft das Klischee zu, dass nur Menschen mit dem Wunsch, Medizin zu studieren, auf einen Studienplatz klagen?

Die sind tatsächlich der überwiegende Teil, ja. Aber inzwischen sind auch viele Bewerberinnen und Bewerber unter anderem für die Studiengänge Soziale Arbeit, Lehramt oder Psychologie dabei.

Angehende Jurist:innen also eher nicht – das sieht bei den Prüfungsanfechtungen aber bestimmt anders aus oder?

Jurastudierende gehörten in dem Segment tatsächlich zu meinen ersten Mandantinnen und Mandanten und sind auch immer noch stark vertreten. Aber ich habe in den letzten Jahren gemerkt, dass der Prüfungsdruck auch in anderen Bereichen stark gestiegen ist. Inzwischen kommen daher zudem viele Studierende anderer Studiengänge, beispielsweise BWLer und BWLerinnen, Notfallsanitäter und -sanitäterinnen sowie sämtliche Auszubildende im Handwerksbereich und auch aus dem Polizeidienst zu mir.

"Juristen denken eher über die Konsequenzen einer Prüfungsanfechtung nach"

Gehen Jurastudierende gerne gegen ihre Noten vor?

Eigentlich nicht, machen es aber trotzdem. Die Juristinnen und Juristen denken eher über die Konsequenzen eines Widerspruchs- oder Klageverfahrens bei der Anfechtung einer Note nach. Ganz viele fragen mich vorab: "Bekomme ich dann Probleme mit dem Prüfungsamt? Wie wirkt sich das auf meine mündliche Prüfung aus? Bin ich stigmatisiert? ".

Wie sind die Erfolgsaussichten, wenn Jurist:innen gegen eine Note vorgehen?

Die Erfolgsquote ist ganz gut, sonst würde ich den Job nicht schon so lange machen. Bei Jurist:innen geht es oft um die Bewertung durch den Prüfer oder die Prüferin – das heißt ich muss schauen, ob es einen Beurteilungsfehler gibt. Von Notensteigerungen von einem halben bis siebeneinhalb Punkten habe ich hier schon alles erlebt.

Oft geht es auch um das Erreichen der Notenschwelle bei einer Abschlussnote, zum Beispiel von 6,45 (ausreichend) zu 6,5 (befriedigend). In einem Fall war die Abschlussnote 9,98– und man fragt sich: Warum gibt man nicht 10,0? Ich war zwar erfolgreich - man muss als Betroffener oder Betroffene aber auch den Mut, die Nerven und die Zeit haben, das Verfahren zu führen.

Erfolgreich ist man oft auch, wenn der Prüfer oder die Prüferin seinen emotionalen Befindlichkeiten freien Lauf gelassen hat – zum Beispiel bei Randbemerkungen wie "absoluter Stuss" oder "Unfug". Wenn das an mehreren Stellen in der Klausur vorkommt, stellt sich die Frage, ob der oder die Prüfer:in nicht befangen war.

Die nichtjuristischen Prüfungen leiden übrigens im Gegensatz dazu häufig an Verfahrensfehlern. Dann folgt in der Regel die Wiederholung der Prüfung.

Foto: Privat

"Ich war eher eine Art Psychologe"

Was ist der außergewöhnlichste Fall, der Ihnen untergekommen ist?

Im Prüfungsrecht hatte ich Fälle, die im Zusammenhang mit dem Skandal um verkaufte Examenslösungen eines Richters samt spektakulärer Flucht nach Italien standen. Ich habe einige Prüflinge vertreten, die in dem Examensdurchgang nicht bestanden haben – und tatsächlich durften viele noch einmal antreten.

Im Beamtenrecht ist mir vor allem der Fall eines Lehrers in Erinnerung geblieben, der eine Beziehung zu einer minderjährigen Schülerin aufgenommen hatte. Da war ich eher eine Art Psychologe für den Mandanten, der schließlich auch strafrechtlich verurteilt und aus dem Beamtenverhältnis entlassen wurde.

Was mögen Sie an Ihrem Job – und was gar nicht?

Fristen mag ich gar nicht – aber was soll ich machen. Außerdem mag ich nicht, wenn Gerichte mir in Zeiten der Digitalisierung immer noch postalisch Nachrichten zukommen lassen und nicht elektronisch – das ist absolut nicht nachzuvollziehen. Ich mag natürlich besonders, wenn Prüfungsanfechtungen erfolgreich waren und die Mandantinnen und Mandanten überglücklich sind und mir sagen, dass ich ihren Berufswunsch gerettet habe – so ein positives Feedback bestätigt mich jedes Mal in meiner Berufswahl.

"Studium kein geeigneter Wegweiser"

Was war bisher das Highlight Ihrer Karriere?

Als ich meinen Fachanwalt für das Verwaltungsrecht in der Tasche hatte. Im Jahr 2022 war außerdem mein Wechsel zu Teipel & Partner Rechtsanwälte mein Highlight. Alles, was ich mir davon erhofft habe, hat sich bestätigt.

Haben Sie Ihren Traumjob also gefunden?

Ja, das habe ich. Ich würde Jurastudierenden und Referendarinnen und Referendaren empfehlen, sich nicht zu früh auf ein bestimmtes Rechtsgebiet festzulegen – ich würde mich einfach leiten lassen und möglichst viel praktische Erfahrung sammeln. Das Studium ist einfach kein geeigneter Wegweiser dafür, was man später mal machen möchte – das, was ich jetzt mache, wurde mir im Studium und Referendariat zum Beispiel nie vermittelt.

Wie immer in unseren Smalltalks: Haben Sie eine Buchempfehlung für uns?

Leider fehlt mir oft die Zeit, ein Buch zu lesen – aber auf jeden Fall kann ich die Autobiografie "Born to Run" von Bruce Springsteen empfehlen. Aktuell lese und höre ich "Playlist" von Sebastian Fitzek.

Vielen Dank für das Gespräch!

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