ClickCeaseRef-Station während Corona: Bei der AHK in Dänemark
Juristenausbildung während der Corona-Pandemie

Ver­wal­tungs­sta­tion bei der Aus­lands­han­dels­kammer Däne­mark

Gastbeitrag von Roxana SharifiLesedauer: 5 Minuten

Wer während des Referendariats ins Ausland will, hatte es zuletzt nicht leicht, aufgrund der Covid-19-Pandemie gab es viele Einschränkungen. Wie sie es trotzdem für eine Stage nach Kopenhagen geschafft hat, zeigt Roxana Sharifi.

Anzeige

Internationale Erfahrungen sammeln zu können, gehört nicht gerade zu den Stärken der juristischen Ausbildung. Interessierten eröffnen sich in der Verwaltungs-, Wahl- oder Anwaltsstation aber Möglichkeiten – je nach Justizausbildungsordnung des Bundeslandes. Dass auch die Auslandshandelskammern (AHK) Referendarinnen und Referendare aufnehmen, wissen aber die Wenigsten. Dabei gibt es diese in rund 92 Ländern der Welt – von Ägypten bis Weißrussland.

Dort unterstützen sie deutsche und ausländische Unternehmen beim Markteintritt oder anderen geschäftlichen Aktivitäten. Statt klassischer Verwaltungsstation bei einer Behörde habe ich bei der AHK Dänemark die Unternehmensperspektive eingenommen und Einblick in die Netzwerk-, Markt- und Rechtsaktivitäten genommen.

Eingesetzt wurde ich in der Rechtsabteilung. Sie wird von einem deutschen Volljuristen und einer Volljuristin geleitet, die aus einer Hand zu zahlreichen unternehmensrelevanten Fragen beraten. Das umfasst deutsches wie dänisches Arbeits-, Gesellschafts-, Vertrags- und Steuerrecht. Die zwei müssen sich aber auch mit komplexen grenzübergreifenden Sachverhalten befassen.

Ich hingegen musste keine Vor- oder Sprachkenntnisse mitbringen. Meine Aufgaben waren vor allem praxisbezogen und bestanden z.B. in der Erstellung von Umsatzsteuermeldungen oder der AHK-internen Umsetzung der DSGVO. Auch der Kunden- und Behördenkontakt gehörte zur Tätigkeit, der jedoch problemlos auf Englisch verlief. In dem vierköpfigen Team war ich übrigens die einzige Referendarin, fühlte mich aber wie ein vollwertiges Mitglied. Das lag nicht nur daran, dass das junge Kammerteam selber überwiegend Deutsch spricht: Aufgrund der in Dänemark üblichen flachen Hierarchien ist der Umgang in der AHK, inklusive Dresscode, sehr entspannt.

Ein Hindernisparcours bis zur Auslandsstation

Wie viele Referendarinnen und Referendare hatte auch ich mich zunächst nur beim Auswärtigen Amt beworben. Aber die Vorfreude über meine Zusage schwand schnell, als mich dieses pandemiebedingt nicht Singapur, sondern Berlin zuwies. Wie also doch noch ins Ausland kommen?

Die europäischen Institutionen schloss ich aufgrund der Arbeitsbelastung aus. Denn wegen der nahenden schriftlichen Prüfungen ist Lernzeit in der Verwaltungsstation kostbar. Von den AHK erfuhr ich durch Mundpropaganda. Also reichte ich meine Bewerbung etwa vier Monate vor Stationsbeginn über die Webseite ein und führte bald online ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch.

Erst im Nachhinein stellte ich fest, dass die AHK Dänemark gar nicht - wie erforderlich - auf der hessischen Liste genehmigter Ausbildungsstellen stand. Das erklärte mir das Regierungspräsidium per Telefon und verwies mich auf die Möglichkeit, zwecks Aufnahme in die Liste nachträglich einen Ausbildungsplan einzureichen. Möglich soll das bei einer Vorlaufzeit von drei Monaten und ein wenig Glück mit dem Ausbilder sein.

Beides hatte ich: Der Plan meines Ausbilders entsprach den Vorgaben und wurde genehmigt. Vorlegen musste ich zudem einen Plan B für den Fall steigender Inzidenzen in Dänemark und die Zusage einer Inlandsstation für die restlichen zwei Monate. Auslandsstationen in der Verwaltung sind in Hessen nämlich nur für eine Hälfte erlaubt. An das Verwaltungsgericht darf man dann aufgrund der Ausbildungsordnung  nicht mehr. Ebenso wenig ist zusätzliches Entgelt erlaubt, Anträge auf Reisekosten und Trennungsgeld sind aber möglich.  

Wie nützlich die AHK-Stage für mich war

Für mich hat sich der ganze bürokratische Aufwand aber dennoch in vielerlei Hinsicht gelohnt. Wer Jura studiert hat, weiß, dass wirtschaftliche Themen ein Schattendasein führen. Gerade in größeren Kanzleien bedingen sich Wirtschaft und Recht aber häufig gegenseitig. Ein betriebswirtschaftliches Grundverständnis ist also elementar.

Bei der AHK habe ich dieses in der Praxis gewonnen. Denn wer schon einmal eine Gesellschaft gegründet hat, vergisst dies ebenso wenig wie eine Insolvenzanmeldung. Sogar die Löschfristen der DSGVO ergeben erst im Zusammenspiel mit den handels- und steuerrechtlichen Aufbewahrungspflichten Sinn. Und wer kann schon im Bewerbungsgespräch mit Vorwissen im Mehrwertsteuerrecht punkten?

Hinzukommt, dass die AHK viele exklusive Events organisiert, um ihren Mitgliedern Netzwerkmöglichkeiten zu eröffnen. Wine Tastings und Gala Dinners sind nicht nur unterhaltsam, sie bieten auch die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und Arbeitgeber kennenzulernen. Auf Wunsch hin hat die AHK sogar den Besuch bei einer dänischen Anwaltskanzlei für mich organisiert. Und bei der deutschen Botschaft bin ich schließlich doch noch gelandet – unter anderem zur Wahlparty aus Anlass der Bundestagswahlen. 

Leben und Examensvorbereitung in Kopenhagen

Warum die dänische Hauptstadt weltweit als eine der glücklichsten gilt, hat sich mir schnell erschlossen. In Dänemark arbeitet man, um zu Leben – und nicht andersherum. Gegen Büroschluss ab 17 Uhr geht es zu einer der zahlreichen Kulturveranstaltungen, vorbei an hippen Cafés, Restaurants und Bars. Günstig ist das nicht. Das dänische Preisniveau ist um einiges höher als das Deutsche, sodass das Referendarsgehalt hierfür offen gesagt nicht ausreicht. Ideal ist das Freizeitangebot auch nicht für die Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen. Im Ausland verbleibt – trotz flexibler Arbeitsgestaltung – insgesamt weniger Zeit zum Lernen. Und zur Wahrheit gehört auch, dass die Tätigkeit bei einer AHK in der Regel weniger examensrelevant ist.

Wie immer gilt aber auch hier: Selbstorganisation ist der Schlüssel. An der Arbeitsgemeinschaft konnte ich z.B. aufgrund des Online-Unterrichts teilnehmen. Für gewöhnlich wird man davon aber befreit. An freien Tagen habe ich mich online mit meiner Lerngruppe getroffen und in die Königliche Bibliothek verzogen - den Kopp/Schenke und Sartorius im Koffer. Das solltet Ihr auch, da Kommentare im Ausland oft nur in älteren Auflagen zu finden sind. Ob das im Hinblick auf die Examensnote ausreicht, wird sich ebenso zeigen wie bei meinen Kollegen und Kolleginnen im Rechtsamt.

Sicher ist aber, dass die Auslandserfahrung meinen Blick dafür geschärft hat, wie ich leben und arbeite möchte – und das merkt man erst, wenn man die Perspektive wechselt. Für mich fiel die Abwägung zwischen mehr Lernzeit während einer deutschen Verwaltungsstage und persönlicher Fortentwicklung durch einen Abstecher ins Ausland daher eindeutig aus. Wer das ähnlich sieht, den kann ich nur bekräftigen: Es lohnt sich wirklich.

Die Autorin Roxana Sharifi ist Referendarin am Oberlandesgericht Frankfurt und bietet an, für Rückfragen gerne hier Kontakt mit ihr aufzunehmen.

Auf Jobsuche? Besuche jetzt den Stellenmarkt von LTO-Karriere.

Thema:

Referendariat

Verwandte Themen:
  • Referendariat
  • Auslandsaufenthalte
  • Verwaltungsstation

Teilen

Jobs

    Ähnliche Artikel

    Newsletter