Die Verwaltungsstation

Such’ sie dir selbst aus

von Sabine OlschnerLesedauer: 4 Minuten

Die Verwaltungsstation ist bei manchen Referendarinnen und Referendaren nicht sonderlich beliebt. Zu trocken, zu bürokratisch, lauten die Vorurteile. Dabei haben sie es selbst in der Hand, wohin es geht.  

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Die Verwaltungsstation ist – neben der Anwalts- und der Wahlstation – eine der Stagen im Referendariat, um die man sich selber bemühen muss. Das ist aber auch ein großer Vorteil: Wer sich frühzeitig über seine Optionen informiert und schnell bewirbt, kann einen Platz erhalten, der ihm oder ihr gefällt und auch noch für das Examen sinnvoll sein kann.  
 
Dabei muss es nicht immer nur um die Erstellung von rechtlichen Gutachten, Vermerken und Bescheiden oder an den Gerichten um das Schreiben von Urteilen und Beschlüssen gehen. Je nach Einsatzgebiet sind die Aufgaben weitaus vielfältiger. „Die Bandbreite an Möglichkeiten ist sehr groß“, sagt Markus Jobst, Ausbildungsleiter für Rechtsreferendare bei der Bezirksregierung Köln. In Nordrhein-Westfalen reicht sie von der Kommunal- über die Landes- bis zur Bundesebene. Auch geeignete überstaatliche, zwischenstaatliche oder ausländische Ausbildungsstellen sind möglich, darunter die Europäische Union, die Vereinten Nationen oder Auslandsvertretungen weltweit. 
 
In anderen Bundesländern kommen Referendare mitunter nicht so weit in der Welt herum: „In Baden-Württemberg findet die Verwaltungsstation in der Regel in unserem Bundesland statt, weil sie aufgrund der Examensrelevanz einen Bezug zu unserem Landesrecht haben soll“, erklärt Dr. Klaus Stohrer, Ausbildungsleiter für den juristischen Vorbereitungsdienst am OLG Karlsruhe. Die Möglichkeiten sind trotzdem noch vielfältig: Bei Verwaltungs-, Sozial- oder Finanzgerichten sowie sämtlichen öffentlichen Verwaltungen wie Landratsämtern, Gemeinden, Finanzämtern oder Polizeipräsidien werden Referendare zum Beispiel fündig.  
 
Jenseits der Landesgrenzen gibt es zudem die Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Manche Bundesländer erlauben eine Entsendung ihrer Referendare zu der rheinland-pfälzischen Universität. Welche das sind, ist auf der Website der Verwaltungs-Universität zu lesen. Außerdem ist eine Ausbildung bei der Europäischen Union und beim Europarat möglich. „Die Verwaltungsstation ist grundsätzlich an allen öffentlichen Stellen, die die Aufgaben der öffentlichen Verwaltung wahrnehmen, möglich – vorausgesetzt, es steht ein Volljurist als Ausbilder zur Verfügung“, teilt die im Freistaat Sachsen für die Rechtsreferendarausbildung in der Verwaltungsstation zuständige Landesdirektion mit. 
 

Verwaltungsstationen, an die man nicht sofort denkt 
 

Neben den weitgehend bekannten Stellen für die Verwaltungsstation gibt es immer wieder solche, an die man nicht sofort denkt: Dazu gehören zum Beispiel das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, das Umweltbundesamt und der Deutsche Bundestag. Jobst ergänzt die Berufsorganisationen, also etwa Ärzte-, Apotheker- oder Industrie- und Handelskammern. Auch Rundfunkanstalten oder das Europäische Patentamt stehen nicht allzu häufig im Blickpunkt der Referendare. „Letztlich kommt es schließlich immer auch darauf an, welche Interessen die Referendare mitbringen“, betont der Ausbildungsleiter bei der Bezirksregierung Köln. Die Landesdirektion Sachsen nennt als „exotische“ Anbieter für die Verwaltungsstation unter anderem die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, den Sächsischen Landtag, die Technische Universität Dresden, die Oper Leipzig und das Gewandhaus zu Leipzig.  
 
Prof. Dr. Gereon Röckrath zum Beispiel, Verwaltungsdirektor des Leipziger Gewandhauses, hat zu seiner Referendarzeit seine Liebe zur Oper mit der juristischen Ausbildung verbunden und als Verwaltungsstation die Oper in Hamburg gewählt. Deshalb freut er sich, wenn sich heute Referendare für ihre Verwaltungsstation beim Gewandhaus bewerben.  
 
„Im Bewerbungsgespräch achte ich schon darauf, dass die Interessenten eine Affinität zur Musik und zur Kultur mitbringen und die Station im Gewandhaus auch als Orientierung für die eigene berufliche Laufbahn betrachten“, sagt Röckrath. „Unsere rechtlichen Themen sind schließlich etwas anders gelagert als in der kommunalen Verwaltung.“ Als kultureller Eigenbetrieb der Stadt Leipzig muss sich das Gewandhaus zwar auch mit Kommunalrecht, Zuwendungsrecht oder Beihilferecht befassen. Daneben hat ein Konzerthaus aber auch mit zivilrechtlichen Fragestellungen zu tun, etwa mit Vertragsrecht unter anderem bei Künstlerverträgen und der Vermietung der Konzertsäle sowie Marken- und Vertriebsrecht.  
 
Vom Leipziger Kulturdezernat, dem die Referendare formal zugeordnet sind, werden die Referendare in Ergänzung mit der Bearbeitung von Widerspruchsbescheiden betraut. „Die bisherigen Referendare haben sich gern den speziellen Herausforderungen gestellt, die ein Kulturbetrieb für sie bietet. Die spezifischen Rechtsanwendungen im Kulturbereich, wie Urheberrecht, Gemeinnützigkeitsrecht oder Bühnenarbeitsrecht, kommen ja in der Regel im Studium nicht vor“, sagt Röckrath.  
 

Auch in der Verwaltungsstation kann man berufliche Kontakte knüpfen 
 

Dass nicht wenige Referendarinnen und Referendare die Anwaltsstation nutzen, um womöglich für später gleich den ersten Job klarzumachen, ist bekannt. Dass aber auch eine Verwaltungsstation berufliche Weichen stellen kann, zeigt der Weg des Leipziger Verwaltungsdirektors, der seit seiner Zeit bei der Oper in Hamburg die Kulturbranche nicht mehr verlassen hat. Stohrer aus Karlsruhe betont ebenfalls, dass Referendare die Verwaltungsstation gut nutzen können, um potenzielle Arbeitgeber kennenzulernen. Und natürlich auch, um sich aufs Examen vorzubereiten. Denn in dieser Station könne man direkt in der Praxis prüfungsrelevante Themen lernen, weil die Aufgaben oft eine hohe Examensrelevanz haben. 
 
Wie so häufig im Leben gilt auch für die Verwaltungsstation: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Die spannendsten Stellen sind häufig schnell besetzt. Stohrer empfiehlt, sich mindestens drei bis fünf Monate vor dem Beginn der Station bei den Wunschstellen zu bewerben. Jobst aus Köln weist darauf hin, dass diejenigen, die sich nicht rechtzeitig um eine Stelle kümmern, einen Platz von der Bezirksregierung zugewiesen bekommen. Dann hat man keine Wahl mehr und muss nehmen, was geboten wird. „In der Praxis kommt das allerdings nicht allzu häufig vor. Die meisten Referendarinnen und Referendare finden selber eine Stelle.“ Ob sie dort etwas lernen, was nicht nur für das Examen relevant ist, sondern ihnen auch Spaß macht, hat am Ende jeder selbst in der Hand. 

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