Von Professoren für Studenten

6 Gra­ti­s­an­ge­bote zum Lernen

von Sabine OlschnerLesedauer: 6 Minuten

Es gibt Professoren und Hochschulen, die ihren Jurastudenten mehr als die üblichen Vorlesungen, Klausurenkurse und Uni-Reps anbieten – und zwar kostenlos. Das Tolle: Viele davon können auch Studenten anderer Universitäten nutzen.

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1/6: Seit fast 20 Jahren dabei

Über das Internetrecht kann man kein Buch drucken lassen: Bis es veröffentlicht würde, hat sich die Rechtslage für das schnelllebige Medium schon wieder verändert. Aus diesem Grund hat Prof. Dr. Thomas Hoeren vom Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster schon vor knapp 20 Jahren entschieden, sein Buch nicht in den Druck zu geben, sondern im Internet bereitzustellen – und zwar schon immer gratis.

Etwa jedes halbe Jahr aktualisieren der Jurist und sein Team aus wissenschaftlichen Mitarbeitern das Buch und ergänzen es um Anregungen von den Studierenden. "Angefangen haben wir mit 300 Seiten, mittlerweile umfasst die Publikation über 600 Seiten", so Hoeren.

Inhaltlich geht es unter anderem um Rechtsprobleme beim Erwerb von Domains, um Datenschutz- und Urheberrecht, um werberechtliche Fragen im Online-Marketing, um die Haftung von Online-Diensten, um internationale Aspekte des Internetrechts und das Internetstrafrecht. Im Laufe der Jahre wurde das Buch 50.000 Mal abgerufen, von Studierenden ebenso wie von Anwälten, weiß der Autor, der bereits viel positives Feedback erhalten hat: " Als Hochschulprofessor sehe ich es als meine Verpflichtung an, Wissen kostenlos zur Verfügung zu stellen, und hoffe, dass das auch Signalwirkung für andere Dozenten hat."

Zum Online-Buch geht es hier.

2/6: Vorlesung on Demand

Wer eine Zivilrechtsvorlesung von Prof. Dr. Stephan Lorenz verpasst hat, sie erneut hören oder überhaupt mal einen anderen Dozenten erleben will, kann das bequem am heimischen Rechner oder in der Mensa tun, denn sie stehen alle als Podcast im Internet bereit. Der Professor am Institut für Internationales Recht an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) lässt seit 2011 seine Vorlesungen aufzeichnen und bietet sie kostenlos über seine Website sowie über iTunes an.

"Auch wenn meine Kollegen zunächst Bedenken hatten, wollte ich diese damals langsam kommenden technischen Möglichkeiten einfach mal ausprobieren", erklärt Lorenz, der sich selbst als "Techie" bezeichnet. Aufgezeichnet werden die kompletten 90 Minuten Vorlesung, wobei Zuhörer nur die Folien sehen, die ebenfalls zum Download bereit stehen, und Lorenz' Stimme hören.

Auf die Aufzeichnung von sich selbst im Hörsaal verzichtet er bewusst: "So hält sich auch der technische Aufwand in Grenzen." Allerdings müsse er sich nun noch besser auf die Vorlesungen vorbereiten, gibt der Professor zu, denn im Nachhinein würde nichts mehr geschnitten. In den Podcasts sind Tags gesetzt, mit denen sich die Studierenden durch den Podcast und die Folien navigieren können. Allein im vergangenen Jahr wurden die Podcasts 300.000 Mal heruntergeladen.

Zu den Podcasts geht es hier.

3/6: Falltrainings, Rechts-Wiki und Multiple-Choice-Test

Jurastudierende müssen vom ersten Semester an Fälle lösen. Trainieren können sie das über die kostenlose Online-Lernplattform Jurcoach. Entwickelt haben sie Prof. Dr. Roland Hefendehl und sein Team vom Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafecht an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Jurcoach setzt sich aus drei Modulen zusammen: dem Falltraining, dem Problemfeld-Wiki und dem Multiple-Choice-Test. "Das dynamische System wird fortwährend in allen drei Modulen nicht nur durch das Team, sondern auch durch die Nutzerinnen und Nutzer erweitert", erläutert Hefendehl. Studierende erhielten also immer neue Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten für das Lösen von Rechtsfällen zu trainieren.

Die Lernplattform ist für alle Semester interessant: Erstsemester nutzen vor allem das Falltraining, um sich schrittweise mit den methodischen Besonderheiten der juristischen Fallbearbeitung vertraut zu machen. Fortgeschrittene Studierende oder Examenskandidaten können sich anhand des Problemfeld-Wikis einen Überblick über klausurrelevante Fragen verschaffen oder ihren Lernerfolg mithilfe des Multiple-Choice-Tests kontrollieren. Die Auswertungen erfolgen direkt im Anschluss und zeigen, wie gut die Nutzer vorbereitet sind. Das Online-Angebot wird mit den Präsenzveranstaltungen des Instituts verzahnt. "Es entspricht der Philosophie des Jurcoach-Teams, dass das Angebot für alle Interessierten frei zugänglich ist – nicht nur für die Freiburger Studierenden", betont Hefendehl.

Zu Jurcoach geht es hier.

4/6: Das Recht der Informationsgesellschaft

Sie soll kein Lehrbuch ersetzen, sondern den Lernprozess der Jura-Studierenden an der Technischen Universität Darmstadt unterstützen: Die App, die Prof. Dr. Jochen Marly, Professor für Zivilrecht, Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht sowie Recht der Informationsgesellschaft, im Jahre 2013 entwickelt hat, bildet das Bürgerliche Gesetzbuch, das Vertragsrecht, das Urheberrecht, das Patentrecht und die Praxis des Softwarerechts ab und wird regelmäßig aktualisiert.

Begriffserklärungen und Kontrollfragen machen das Angebot aus. "Zusätzlich haben wir im vergangenen Semester alle vier Wochen ein Quiz über die App veranstaltet, bei dem die Studierenden ihr Wissen begleitend zur Vorlesung überprüfen konnten. Der beste Teilnehmer erhielt einen Preis", erzählt Marly.

Das Angebot werde hervorragend angenommen, sagt der Darmstädter Professor, der derzeit rund 750 Studierende betreut. Heruntergeladen wurde die App bereits über 1.300 Mal. "Sie wird also vermutlich auch von Studierenden benutzt, die meine Vorlesung gar nicht besuchen", tippt Marly, der noch eine weitere App namens Jlaw entwickelt hat. Diese umfasst deutsche, europäische und internationale Gesetze, die mit über 130.000 Volltext-Urteilen verknüpft sind. Auch zahlreiche Anwälte verwendeten diese App, so der Professor. Beide Applikationen gibt es im App Store und im Playstore, erstgenannte auch als Web-Version.

Zur Webversion der MarlyApp geht es hier.

5/6: Entscheidungen mit Literaturhinweisen

Die Online-Datenbank eSolde der Universität Bayreuth wird regelmäßig aktualisiert und enthält zahlreiche gerichtliche Entscheidungen aus allen Bereichen des Öffentlichen Rechts. Nutzer können über die eine Suchfunktion die gesamte Liste durchforsten oder sich in der strukturierten Baum-Übersicht zu Urteilen aus ganz bestimmten Themenfeldern durchklicken, so etwa zu unmittelbaren Grundrechteingriffen oder Amtshaftungsansprüchen. Zu den gefundenen Urteilen gibt es dann auch passende Literaturhinweise.

Leiter des Projekts ist Prof. Dr. Kay Windthorst, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Rechtsdogmatik und Rechtsdidaktik, dessen wissenschaftliche Mitarbeiter und studentischen Hilfskräfte die Datenbank technisch und auch inhaltlich gestalten. "Es gibt Daten im Überfluss. Wir wollen unseren Studierenden die Suche erleichtern, indem wir die Daten zum Menschen bringen und nicht den Menschen zu den Daten schicken", erklärt Kay Windthorst. In den Vorlesungen erhalten die Teilnehmer deshalb einen QR-Code, um direkt auf die besprochenen Inhalte zu gelangen.

Zur Datenbank eSolde geht es hier.

6/6: Umfangreiches Zusatz- und Wiederholungsprogramm

In der Virtuellen Hochschule Bayern (vhb) können Studierende örtlich und zeitlich flexibel relevante Kurse für ihr Studium absolvieren. Zu den 31 Trägerhochschulen der vhb gehören neun staatliche Universitäten, 17 staatliche Hochschulen für angewandte Wissenschaften sowie die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, die Hochschule für Philosophie München, die Katholische Stiftungsfachhochschule München, die Universität der Bundeswehr München und die Evangelische Hochschule Nürnberg.

Angeboten werden alle Fächer, die an den Hochschulen vertreten sind, wobei die Rechtswissenschaften mit 31 Prozent aller Angebote den größten Anteil ausmachen. Im Studienjahr 2015/2016 haben fast 54.000 Jura-Studenten 143 Kurse in Rechtswissenschaft belegt. 

Für Studierende aus den  Trägerhochschulen ist das Angebot kostenlos, Externe zahlen pro Semesterwochenstunde einen geringen Beitrag. "Viele nutzen das Angebot als Ergänzung zu den Seminaren an ihrem Hochschulstandort oder als Möglichkeit zur Wiederholung, vor allem vor dem Staatsexamen", so Dr. Holger Kächelein, stellvertretender Geschäftsführer der vhb und Projektmanager für den Fachbereich Rechtswissenschaft. Die Studierenden erhalten Zugang zu den Materialien und werden durch speziell geschulte Online-Tutoren betreut. Je nach Prüfungsordnung der Hochschule besteht auch die Möglichkeit, durch das Ablegen der Online-Kurse gleich einen entsprechenden Leistungsnachweis für ds Fach zu erwerben.  

Zur Virtuellen Hochschule geht es hier.

Thema:

Jurastudium

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