ClickCeaseDie Jurafachschaft: Mehr als bloß Erstipartys
Die Jurafachschaft

Mehr als bloß Ers­ti­partys

von Sabine OlschnerLesedauer: 4 Minuten

Den ersten Kontakt zur Fachschaft haben die meisten Jurastudierenden in der Erstiwoche. Warum es sich jedoch auch lohnt, im Laufe des Studiums in der Interessensvertretung aktiv zu werden, berichten drei Fachschaftsmitglieder.

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Tom Könemann studiert im neunten Semester Jura an der Universität Mannheim und ist schon seit Studienbeginn mit der Fachschaft seiner Fakultät in Kontakt. "Ich war damals neu in der Stadt und kannte niemanden. Bei einem Erstsemesterwochenende, das die Fachschaft damals organisiert hatte, habe ich viele Leute kennengelernt und bin dadurch bei der Fachschaft hängengeblieben", berichtet der heute 25-Jährige.

Im ersten Semester hat er hier und da mit angepackt, zum Beispiel bei einer Open-Air-Feier oder einem Bowling-Abend für Erstsemester – genug zu tun gibt es in der Fachschaft immer. Im zweiten Semester wurde der Jurastudent dann zum Fachschaftssprecher gewählt. "Nachdem ich das Amt abgegeben habe, stehe ich noch für das operative Geschäft und als Berater für die neuen Sprecherinnen oder Sprecher zur Verfügung", sagt Könemann.

Als damaliger Fachschaftssprecher hat er circa 20 Wochenstunden für die Arbeit aufgebracht, phasenweise mehr. Tätigkeiten für die einzelnen Ressorts – darunter Themen wie Organisation von Veranstaltungen, Finanzen oder Studierendenmateralien – sind oft weniger aufwendig. "Im Grunde hat es jeder selbst in der Hand, wie viel Zeit er oder sie in die Fachschaftsarbeit stecken will", meint der Mannheimer Student. "Bis jetzt kenne ich jedenfalls niemanden, der sein Studium aufgrund von hohem Engagement in der Fachschaft verlängern musste."

Bonussemester für den Freischuss: Praktisch, "sollte aber nicht Hauptgrund sein"

Christopher Depta von der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main ist im siebten Semester und seit diesem Jahr stellvertretender Fachschaftssprecher in einem dreiköpfigen Sprecherteam. "Wir teilen uns die Arbeit auf: Ich kümmere mich um unsere Social-Media-Kanäle und beantworte zeitnah E-Mails und Anfragen", erzählt der 22-Jährige. Seine Sprecher-Kollegin hält dafür zum Beispiel den Kontakt zum Dekanat. Einmal im Monat organisieren sie eine Fachschaftssitzung, die offen ist für alle Jurastudierenden. "Wenn man die Aufgaben teilt, ist die ehrenamtliche Arbeit problemlos neben dem Studium zu schaffen", so Deptas Eindruck. Ein Vorteil für alle, die sich umfangreicher in der Fachschaft engagieren: Sie bekommen ein Semester "geschenkt" und haben sechs Monate länger Zeit, den Freischuss anzutreten. "Das muss man beim Prüfungsamt beantragen", erklärt der Frankfurter Jurastudent.

Der aufgeschobene Freischuss mag mit ein Grund dafür sein, sich in der Fachschaft zu engagieren, "aber es sollte nicht der Hauptgrund sein", betont Marius Martin von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. "Wer keine Verantwortung übernehmen möchte, sollte gar nicht erst in die Fachschaft gehen", ist der Jurastudent überzeugt. Der 20-Jährige studiert seit einem Jahr Jura in Freiburg und ist bereits im zweiten Semester in die Fachschaft gewählt worden. In Freiburg besteht die Fachschaft der juristischen Fakultät aus vier Wahlmitgliedern, die von den Studierenden gewählt werden, und weiteren vier Fakultätsratsmitgliedern. Die Wahlen finden jährlich im Abstand von sechs Monaten statt. Dadurch wird gewährleistet, dass das Team immer zur Hälfte aus erfahrenen Mitgliedern besteht, die die neuen einarbeiten können.

"Am Anfang war ich ein bisschen überfordert, weil ich so viel Neues über das Dekanat und die Fachschaft lernen musste", erinnert sich der Freiburger Student. "Aber die Fachschaftsarbeit hat für mich einen hohen Stellenwert. Ich will mich für meine Kommilitonen und Kommilitoninnen einsetzen und das Leben der Studierenden an der Universität mitgestalten."

Fachschaftsarbeit ist viel mehr als Partys organisieren

Eine Fachschaft ist die erste Anlaufstelle für alle Probleme, die die Studierenden haben. Kann die Fachschaft nicht direkt selber weiterhelfen, weiß sie mit Sicherheit, an wen sich die Betroffenen wenden können. Sei es der Unmut über den Platzmangel in einer Vorlesung, Fragen zum Antrag auf eine Neubewertung der Prüfungsleistung, Hilfe für Studierende mit Kindern – die Themen, mit denen sich Fachschaftsmitglieder beschäftigen, sind vielfältig und gehen über das Organisieren von Partys weit hinaus.

Wofür die Fachschaften im Detail zuständig sind, ist je nach Universität unterschiedlich und wird durch das Hochschulgesetz des Landes und die jeweilige Satzung der Studierendenschaft geregelt. Könemann rät allen, die etwas verändern wollen, sich an die Fachschaft zu wenden: "Hat jemand ein Problem entdeckt, will er oder sie ein neues Thema anstoßen, oder gibt es Fragen rund ums Studium: Bei uns ist jeder richtig."

Bei der Frage, was ihnen die Fachschaftsarbeit sonst noch bringt, sind sich alle drei befragten Studenten einig: wertvolle Kontakte. "Man kommt mit Professoren und Kommilitonen in höheren Semestern zusammen, die einem zum Beispiel alte Klausuren und Tipps für Hausarbeiten und Prüfungen geben können", berichtet Könemann. Auch sein enger Freundeskreis bestehe ausschließlich aus Fachschaftsmitgliedern. Martin schätzt die Vernetzung zur gesamten Studentenschaft. "Man ist ein bekanntes Gesicht, sowohl bei den Erstsemestern als auch bei den älteren Studierenden, die sich zum Beispiel im Rahmen der Bücherbörse an die Fachschaft wenden." Depta findet es gut, dass er vor allem Erstsemestern helfen kann, sich an der Universität zurechtzufinden.

Neben den wertvollen Kontakten sieht Könemann auch den Ausbau der sozialen Kompetenzen als Vorteil: "Diskutieren, kommunizieren, organisieren, Zeitmanagement – all das lernt man bei der ehrenamtlichen Arbeit in der Fachschaft", sagt der Student. "Ich glaube, dass das auch für die spätere Jobsuche hilfreich sein kann." Außerdem hat er durch sein Engagement Verständnis über den Mittelbau und die Lehrstühle der Universität bekommen. "Man erhält als Fachschaftsvertreter Einblicke in Bereiche, die anderen Studierenden oft verschlossen bleiben." Martin bringt es auf den Punkt: "Die Fachschaftsarbeit hat mir geholfen zu verstehen, wie eine Universität überhaupt funktioniert. Das hilft mir enorm bei meinem Studium."

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