Kostenlose Online-Angebote für Jurastudierende

Examen and Chill

von Sabine OlschnerLesedauer: 5 Minuten

Nicht nur wegen Corona tauchen im Neuland immer mehr nützliche und vor allem kostenlose Lern- und Vorbereitungsangebote für Jurastudierende auf. Mal speziell, mal grundlegend, aber immer snackable wie Netflix - hier ein paar tolle Beispiele. 

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Völkerrecht und Europarecht auf Youtube

Wer sich für Vorlesungen zum Völkerrecht und Europarecht interessiert, kann sich bei Youtube aktuelle Aufzeichnungen von Prof. Dr. Stephanie Schiedermair ansehen, Inhaberin des Lehrstuhls für Europarecht, Völkerrecht und Öffentliches Recht an der Juristenfakultät Leipzig. Außerdem gibt es von ihr einige Videos im Rahmen des LEO-Repetitoriums (LEO steht für Leipziger Examens-Offensive, das interne Uniprogramm zur Examensvorbereitung). 

„Ich hatte schon länger vor, Vorlesungen ins Internet zu stellen, um sie einem breiteren Publikum zur Verfügung zu stellen. Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass ich das Projekt endlich angegangen bin“, erklärt die Professorin. Dazu hat Schiedermair die Vorlesungen, die sie im vergangenen Jahr ohnehin online gehalten hat, aufgezeichnet und auf Youtube hochgeladen. „Fragen der Studierenden wurden dabei herausgeschnitten“, sagt die Juristin. 

Gern würde sie ihre Vorlesungen zukünftig hybrid halten – also live und über Kamera – und die aktuellen Videos veröffentlichen. „Denn vor allem das Völkerrecht ist sehr dynamisch.“ Das Feedback der Studierenden, auch auf bereits früher aufgezeichnete Vorlesungen, sei sehr positiv. „Vor allem Studierende, die wegen Kinderbetreuung oder aus anderen Gründen die Veranstaltungen nicht besuchen können, sind dankbar für die Möglichkeit“, sagt Schiedermair. „Aber auch ausländische Studierende hören sich die Vorlesungen gern noch einmal an, weil sie beim ersten Hören vielleicht nicht alles verstanden haben.“

Das Lernen lernen: Anregungen, um in Jura gut zu werden

Kurz vor dem Zweiten Staatsexamen hat Dr. Jens Prömse ernsthaft überlegt, alles hinzuwerfen und aufzugeben. Doch dann gab er sich einen Ruck und überlegte, was eigentlich Sinn und Zweck der juristischen Ausbildung ist und wie er ein guter Jurist werden kann. Er befasste sich damit, wie Jurastudierende am besten das Lernen lernen – geboren war die Idee für seine Dissertation zum Thema „Eine reflexive Praxis für Juristen“, zu der er auch an der Universität zu Köln Lehrveranstaltungen hielt.

Das war aber nur der Anfang:  „Damit die Idee eine noch größere Masse an Jurastudierenden und Referendarinnen und Referendaren erreicht, haben wir die Lerneinheit mit großem Aufwand und viel Hingabe produziert und sie kostenlos ins Internet gestellt“, berichtet Prömse. 

Unterstützt wurde er dabei von seiner Doktormutter Prof. Dr. Barbara Dauner-Lieb. In sieben Staffeln geht es unter anderem um neue Perspektiven auf das Lernen, um die Fähigkeit zum Transfer von Wissen und Können oder um die Definition von praktischer Rechtsanwendung. Zahlreiche Studiogäste – von Studierenden über Professorinnen bis zu Juristen in der Praxis – reichern die Inhalte an. „Wir liefern keine schnellen Tipps, um das Prädikatsexamen zu erreichen“, betont Prömse. „Man muss sich eingehender mit der Lerneinheit befassen.“

Videos auch für die Kaffeepause

Bereits seit 2016 bietet die Bucerius Law School auf Youtube den Kanal „Lecture Digital“  für akademische Inhalte aus juristischer Forschung und Lehre an. Fast 10.000 Abonnenten folgen dem Kanal. Die dort veröffentlichten Videos sind seit Beginn an kostenfrei verfügbar. 

„Als Stiftungshochschule sind wir den Idealen des Stifters Gerd Bucerius verpflichtet, einen möglichst wertvollen Beitrag zu unserer Gesellschaft zu leisten“, erklärt Sven Störmann, Direktor der Learning Innovation Lab (LIL) an der Bucerius Law School. Das LIL produziert die Videos. „Lehrende wenden sich an uns mit mal mehr, mal weniger ausgereiften Ideen, wie sie ihre Lehre innovativer gestalten oder etwas Neues ausprobieren können.“ Der Kanal bietet vor allem einzelne Vorlesungsvideos und -videoreihen, aber auch Kurzvideos namens „Fofftein“ – niederdeutsch für Kaffeepause. Hier werden kurze juristische Sachverhalte in wenigen Minuten erklärt. 

Das Angebot wird stetig erweitert, aktuell zum Beispiel um eine umfassende Videoreihe zum ZPO-Erkenntnisverfahren oder zum Thema Mooting.

Lerntipps für Studierende und Examensprüflinge

Vor welchen Herausforderungen stehen Studierende während des Jurastudiums und kurz vor dem Examen? Welche Tipps kann man ihnen mit auf den Weg geben? Darüber macht sich Prof. Dr. Anne Sanders Gedanken, Inhaberin des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Unternehmensrecht, das Recht der Familienunternehmen und Justizforschung an der Universität Bielefeld. „Ich bin eine leidenschaftliche Lehrerin und unterstütze Studierende gern“, betont die Professorin. Und sie bezieht die Studierenden bei der Suche nach den besten Lernmethoden als Partner und Partnerinnen ein. 

Daher haben sie und ihre Co-Autorin Prof. Dr. Barbara Dauner-Lieb von der Universität zu Köln vor dem Schreiben ihres Buches „Recht Aktiv. Erfolgreich durch das Examen“ eine Umfrage unter Examenskandidatinnen und -kandiaten gemacht. „Leider ist Corona dem Erscheinungstermin des Buches zuvorgekommen. Wir haben im März 2020 gemerkt: Die Studierenden brauchen jetzt sofort Unterstützung“, berichtet Anne Sanders. Innerhalb von wenigen Tagen hat sie deshalb das PDF „Lernen in der Krise für ExamenskandidatInnen“ mit zahlreichen Tipps online gestellt, verbunden mit einem Umfrage-Tool. Über dieses Tool kamen und kommen viele weitere Tipps und Anregungen der Studierenden zusammen, sodass das PDF laufend aktualisiert wird. 

Ebenfalls mitten in der Pandemiezeit entstand in Zusammenarbeit mit ihren studentischen Mitarbeitenden ein weiteres PDF: „Lerntipps von und für Studierende“ Außerdem veröffentlichen Anne Sanders und ihr Team auf Instagram regelmäßig Lerntipps und kleine Posts zur Motivation – Letztere unter #seelenkeks.

Videos, Podcasts und Skripte - auch mit Tech-Bezug

„Die ersten Podcasts habe ich vor knapp zehn Jahren an der LMU München aufgezeichnet. Seit gut vier Jahren stelle ich meine Vorlesungen offen bei Youtube ein“, berichtet Privatdozent Dr. Martin Fries. Er unterrichtet Zivilrecht, Zivilprozessrecht und Methodik, jeweils verknüpft mit dem Thema Digitalisierung. 

Die Sachenrechtsvorlesung im Frühjahr 2021 war der letzte Mosaikstein seines Portfolios. „Wenn ich mir die Arbeit für die Vorbereitung der Vorlesungen schon mache, sollen die Studierenden sie gerne auch auf der digitalen Spur abrufen können“, so seine Motivation. Alle Videos sind auch als Audiodateien bei Apple Podcast und Spotify verfügbar. Jetzt im Wintersemester will er die älteren Vorlesungen aktualisieren, indem er neue Rechtsentwicklungen einarbeitet und didaktisch neue Idee umsetzt. Geplant ist, die Veranstaltungen ungefähr alle drei Jahre neu aufzunehmen. 

„Damit die Studierenden auch bei sehr aktuellen Entwicklungen am Ball bleiben, produziere ich zudem jeden Monat den Podcast #fussnote, mit Hinweisen zu aktueller Gesetzgebung, Literatur und Rechtsprechung.“ Fries erhält viele positive Rückmeldungen von Studierenden, die er an der Uni kaum sieht – etwa weil sie Kinder haben, Angehörige pflegen müssen oder nur eingeschränkt mobil sind. Oder weil sie gerade im Ausland studieren. „Zudem gibt es mehr und mehr Digital Natives, die dafür offen sind, das traditionelle Präsenzlehrangebot durch Online-Kurse zu ergänzen.“ Die Skripte und Materialien für die Videos sind auf seiner Website JuraPodcast zu finden.

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