Jurastudent positioniert Start-Up am Markt

Auch mal Spiel­ver­derber sein

von Marcel SchneiderLesedauer: 4 Minuten
Jurastudent Dominic Septar ist in einem Gesellschafterteam eines jungen Start-Ups für die rechtlichen Angelegenheiten zuständig. Dabei muss er weit vorausplanen und den Ideen der anderen manchmal auch eine Absage erteilen.
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Der Schönfelder: rot, schwer und sperrig. Um den Transport zu erleichtern, den Träger gut aussehen zu lassen und dabei auch noch etwas Gutes zu tun, gründete Jurastudent Dominic Septar mit vier Studenten anderer Fachrichtungen die Felders-Schöne GbR; kennengelernt haben sie sich beim aktuellen bayerischen 5-Euro-Business-Wettbewerb Das vom "Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft e.V. getragene Projekt bringt Studenten aller Disziplinen zusammen, die mit Crash-Kursen vorbereitet werden und dann für einige Wochen im Team das Leben als Unternehmer kennenlernen – am echten Markt und unter echten Bedingungen. Die Besten werden mit hochwertigen Preisen honoriert. Das fertige Produkt von Felders-Schöne sind Tragetaschen für das dicke Sammelwerk, die aus alten Kaffeesäcken von Teilnehmern eines gemeinnützigen Drogenhilfe-Projekts geschneidert werden. Ein Teil der Erlöse geht an ein Projekt, das Kaffeebauern auf Sumatra durch einen bezuschussten Kiloverkaufspreis unterstützt. Anfang November stand die Idee fest – und dann? "Das Aufsetzen eines Gesellschaftervertrages für die GbR war noch vergleichsweise einfach, weil der ja erst einmal nur die Interna betraf. Spannend wurde für mich als juristischen Teil des Teams dann das Auftreten des Unternehmens am Markt", sagt Septar.

Selbstorientierung in Bereichen ohne Examenspflichtstoff

Dafür wird einiges benötigt: Allgemeine Geschäftsbedingungen, Kaufverträge, das Impressum auf der Facebookseite. Das ist mit bloßen Vordrucken nicht getan, sondern muss an das Geschäftsmodell angepasst werden. Sind die Taschen so stark individualisierte Produkte, dass das Widerrufsrecht ausgeschlossen werden kann? Was gilt es beim Fernabsatzhandel über die eigene Internetseite zu beachten? Und wie sieht es mit dem Urheberrecht aus, wenn Kunden die Option haben sollen, Motive ihrer Wahl auf die Taschen drucken zu lassen? Wenn er nicht genau wusste, wo er ansetzen sollte, verschaffte sich Septar, der im 5. Semester studiert, einen Überblick über das Rechtsgebiet im Internet und stieg dann in die Fachliteratur und aktuelle Rechtsprechung ein. Wo er nicht weiter kam, fragte er Anwälte und andere Fachleute, die er privat oder von den Wettbewerbsseminaren kannte. "Der Blickwinkel auf Rechtliches verändert sich gegenüber dem Studium", resümiert der Jurist des fünfköpfigen Teams. "Während man dort aus der Richter-Perspektive vorgegebene Fälle lösen soll, muss ich nun überlegen, wie ich am besten vermeiden kann, dass es überhaupt zum Streit kommt."

2/2: Rechtliche Grenzen durchsetzen im Team

In rechtlichen Belangen verlässt sich das Team ganz auf Septar. Damit ist die juristische Komponente bei ihm gebündelt, was zwar seine Arbeit organisatorisch unkomplizierter macht, in den Meetings aber auch bedeutet, Entscheidungen allein vermitteln und vertreten zu müssen. So zum Beispiel beim Thema unzulässige Werbung: "Im Hinblick aufs Marketing musste ich hin und wieder meinen Mitgesellschaftern einen Strich durch die Rechnung machen, da uns zum Beispiel die Idee, für unser Produkt werbende Anschreiben an Kanzleien zu senden, schnell eine Abmahnung hätte bescheren können." Den Studenten stehen seitens der Universität und des Projekts Betreuer zur Verfügung. "Diese versuchen zwar, bei Reibereien im unternehmerischen Geschäftsverkehr erst einmal zu vermitteln. Doch nur weil wir Studenten sind und an einem Wettbewerb teilnehmen, sind wir nicht besonders geschützt. Wir haften letztlich wie jeder andere Unternehmer, was erst mal eine ziemlich ungewohnte Situation für alle im Team war", sagt Septar.

Soziale Komponente: Verhandeln und Netzwerken

Nicht nur fachlich hat der junge Unternehmer etwas aus den ersten Start-Up-Wochen mitgenommen. Auch seine Soft Skills konnte er auf der Suche nach Unterstützern für das Unternehmen erproben, etwa als er und sein Team ihr Produkt bei namhaften Kaffee- und Kaffeemaschinenhersteller JURA erfolgreich vorstellten - und sich so ein Sponsoring für Werbematerial wie zum Beispiel Flyer sicherten. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich auch ein Vertriebsfokus heraus, der ebenfalls Verhandlungsgeschick erforderte: "Neben dem Vertrieb über die Internetseite konzentrieren wir uns darauf, Kanzleien von unserem Produkt zu überzeugen. Bei mengenmäßig größerer Abnahme bieten wir nämlich an, das Kanzleilogo auf die Taschen drucken zu lassen. Diese können dann zum Beispiel als Geschenke für Praktikanten und Referendare ausgehändigt werden", erläutert Septar. So konnte sein Team etwa das Bonner Büro der Wirtschaftskanzlei Kanzlei Redeker Sellner Dahs  vom Kauf von 25 Taschen überzeugen. Offiziell sollen die Geschäftsaktivitäten der Projektteilnehmer am 15. Januar enden, die Erfolge nach diesem Datum werden von der Jury nicht mehr bei der Wahl der besten Start-Ups berücksichtigt. Es steht den Teilnehmern aber frei, die aus dem Business-Wettbewerb entstandenen Unternehmen fortzuführen. Septar und seine Mitgesellschafter wollen das auf jeden Fall tun: "Der Arbeitsaufwand am Anfang war natürlich erheblich. Die Mühe hat sich aber auf jeden Fall gelohnt" – bis zur Preisverleihung Anfang nächsten Jahres rechnet die Felders-Schöne GbR mit einem "ganz leichten Plus". Dafür kann man als (angehender) Jurist auch mal der Spielverderber sein.

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