ClickCeaseSchlüsselqualifikation: Von Ethik bis Zeugenvernehmung
Schlüsselqualifikationen

Beliebte Abwechs­lung zu Jura-Inhalten

von Sabine OlschnerLesedauer: 4 Minuten

Schlüsselqualifikationen sind bei Arbeitgebern heiß begehrt. Daher stehen sie seit 2003 auch auf dem Lehrplan von Jurastudierenden. Die Angebote unterscheiden sich allerdings von Universität zu Universität.

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"Die Inhalte des Studiums berücksichtigen die rechtsprechende, verwaltende und rechtsberatende Praxis einschließlich der hierfür erforderlichen Schlüsselqualifikationen wie Verhandlungsmanagement, Gesprächsführung, Rhetorik, Streitschlichtung, Mediation, Vernehmungslehre und Kommunikationsfähigkeit.“ So ist es im Deutschen Richtergesetz (§ 5a Abs. 3 S. 1 DriG) zu lesen. Manche Universitäten bieten für den Erwerb von Schlüsselqualifikationen nur das Nötigste an. Andere wiederum sind sehr erfindungsreich bei den entsprechenden Veranstaltungen für Jurastudierende. Die angehenden Juristinnen und Juristen wissen die Angebote zu schätzen und stehen teilweise Schlange, um einen der begehrten Plätze zu erhalten.

An der Universität zu Köln zum Beispiel kümmert sich mit CENTRAL eine eigene Einrichtung innerhalb der rechtswissenschaftlichen Fakultät um die Schlüsselqualifikationsveranstaltungen. "Schon lange vor der Einführung des Paragrafen ins Richtergesetz haben wir uns darum bemüht, Softskill-Angebote für Studierende, Referendarinnen und Referendare sowie berufstätige Juristinnen und Juristen zu entwickeln", erklärt Beate Kruschinski, Geschäftsführerin von CENTRAL. Besonders beliebt sind grundsätzlich alle Veranstaltungen, die sich mit psychologischen Fragen beschäftigen, zum Beispiel Zeugenvernehmung" oder "Beeinflussungsmöglichkeiten und Abwehr von Manipulationsstrategien". Auch zukunftsträchtige Themen wie "Legal Tech und Automation" finden guten Zuspruch. "Eher verhalten sind die Studierenden, wenn es um Präsentationstechniken oder Stimmtraining geht", weiß Beate Kruschinski. "Dabei sind solche kommunikativen Fähigkeiten im Beruf besonders wichtig."

"Wettbewerbsvorteil bei späteren Bewerbungen"

Die Universität Mainz legt ebenfalls viel Wert auf das Thema Schlüsselqualifikationen für Jurastudierende. Im Jahr 2010 haben mehrere Professoren der rechtswissenschaftlichen Abteilung den "Verein zur Förderung praxisorientierter Ausbildung und juristischer Schlüsselqualifikationen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz", kurz: SQ Mainz e.V, gegründet. "Der Verein macht die Ideenfindung für passende Veranstaltungen und deren Organisation einfacher", erklärt Marius Fröhlich, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Professor Dr. Josef Ruthig, dem Beauftragten für Schlüsselqualifikationen. Spenden von Kanzleien, die der Verein als Kooperationspartner gewonnen hat, machen zum Beispiel die Anschaffung von technischen Hilfsmitteln oder von speziellen Büchern für die Fachbereichsbibliothek möglich.

Eine Besonderheit unter den Veranstaltungen ist der Practice-Talk, bei dem Anwältinnen und Anwälte aus der Praxis über aktuelle Fälle und Rechtsprechungen berichten und anschließend bei Snacks und Getränken für Gespräche zur Verfügung stehen. "Wer regelmäßig an der Ringvorlesung mit mehreren Praktikern teilnimmt, kann dafür einen Schein erwerben", erläutert Fröhlich. Ebenfalls beliebt ist das Wirtschaftszertifikat, das in Zusammenarbeit mit der Fakultät der Wirtschaftswissenschaften entwickelt wurde. Jurastudierende können sich in den Fächern Recht und Ökonomik, Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre für Juristen weiterbilden und mit zwei weiteren Aufbaumodulen, die zusammen mit den Wirtschaftsstudenten stattfinden, das begehrte Zertifikat erwerben. "Solches Wissen ist sicherlich ein Wettbewerbsvorteil bei den späteren Bewerbungen", ist Fröhlich überzeugt. Zusammen mit dem Lehrstuhl für Katholische Theologie findet zudem der Kurs "Ethik, Religion, Recht" statt.

Beliebtes Thema: "Gender"

Auf interdisziplinäre Angebote setzt auch die Universität Hamburg. "Wir bieten zum Beispiel mit einem Kollegen aus dem Schwerpunkt Law & Economics einen Statistikkurs für Juristen an oder in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Informatik Digitalisierungsthemen wie Legal Tech", berichtet Dietmar Plum, Referent für Lehrentwicklung und Ansprechpartner für Schlüsselqualifikationen für Jurastudierende. Besonders beliebt sind in Hamburg Veranstaltungen zu Interkultureller Kommunikation, zur Vernehmungslehre und zum Thema Gender – das übrigens nicht nur Frauen anspricht. In jedem Kurs gibt es maximal 20 Plätze, um eine aktive Beteiligung zu ermöglichen. Nicht selten bewerben sich je nach Angebot bis zu 200 Studierende auf die Plätze. "Höhere Semester werden bei der Anmeldung bevorzugt, damit sie die Scheine, die sie bis zur Examensanmeldung benötigen, noch schaffen", sagt Dietmar Plum. Seine Empfehlung für den besten Zeitpunkt: zur Mitte des Studiums. Auch Beate Kruschinski aus Köln hält eine Teilnahme nach dem Grundstudium für ideal. "Dann hat man schon ein erstes Gefühl für die Praxis und kann viele Kursinhalte besser nachvollziehen. "

Empfehlenswert: Das Arbeiten an den eigenen Schwächen

Bei der Wahl der richtigen Veranstaltung sind sich die Schlüsselqualifikationsexperten einig: Die Veranstaltung sollte zum Studierenden passen. "Am besten ist es, wenn man sich seiner Schwächen bewusst ist und an ihnen arbeiten möchte – zum Beispiel an fehlenden Präsentationsfähigkeiten", sagt die CENTRAL-Geschäftsführerin. Wer schon weiß, was er beruflich später machen will, könne auch gezielt einen passenden Kurs wählen, zum Beispiel "Mandantengespräche" für angehende Anwälte und Anwältinnen. Dietmar Plum rät, auch ein Auge auf die Unterrichtsform zu werfen: "Dem einen liegen eher praktische Kurse, bei denen man aktiv mitmachen muss, der anderen gefallen Veranstaltungen mit mehr Theorie besser."

Was sie aus dem Angebot an Schlüsselqualifikationen mitnehmen, müssen Studierende letztlich selbst entscheiden. Manche sehen sie als Pflichtveranstaltungen, andere hängen sich richtig rein und besuchen gleich mehrere Seminare. "Ich selber empfand die Kurse als eine interessante Abwechslung zum sonst manchmal etwas trockenen juristischen Studienalltag", erinnert sich Marius Fröhlich.

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