Keine Lust auf Kellnern

Wo arbeiten deutsche Jurastudenten?

von Janina SeyfertLesedauer: 5 Minuten
Eines ist klar: Studieren ist teuer. Und selbst, wer durch BAföG oder elterliche Unterstützung gut versorgt ist, braucht einen Nebenjob, wenn er die Semesterferien lieber am Strand als in der WG oder im alten Kinderzimmer verbringt. Verlockend erscheint es vielen Studenten, dabei nicht nur das Konto, sondern auch den Lebenslauf aufzubessern. LTO fragt nach: "Wo arbeitest Du so?"
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Des Professors Post – Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl

Zuerst hatte Sandra Werner eine Absage erhalten, als sie sich auf die Ausschreibung eines Lehrstuhls meldete. Gewundert hatte sie sich nicht. Die Anforderungen, die für solche Stellen gelten, sind hoch. "Überdurchschnittliche Leistungen im Studium, gute Fremdsprachenkenntnisse und sehr gute EDV-Kenntnisse", heißt es meist in den Ausschreibungen. Dabei sollen sich die Studenten höchstens im dritten Fachsemester befinden, man will sich ihrer Arbeitskraft schließlich auch für einen längeren Zeitraum sicher sein. Der ersehnte Anruf kam dann aber doch. "Ein anderer Bewerber war abgesprungen", erzählt die Studentin. "Ich war dann die nächste auf der Liste. Meine Ausbildung zur Verwaltungswirtin hat mich von der Konkurrenz abgehoben. Die meisten haben zwar gute Noten, aber keine Erfahrung. Bei mir wusste der Professor, dass ich nicht ganz so grün hinter den Ohren bin." Seit dem Jahr 2008 ist sie nun am Lehrstuhl beschäftigt. Je nach Arbeitsanfall arbeitet sie vier bis acht Stunden pro Woche. Gemeinsam mit ihren Kollegen kümmert sie sich um den Schriftverkehr ihres Chefs. Oft beginnt der Tag damit, dass sie diktierte Schriftsätze abtippt und die Nachrichten per E-Mail oder Post an die richtigen Empfänger verschickt. Das Studenten-Team übernimmt die Reisenkostenabrechnung, bestellt Büroartikel und vereinbart Telefontermine – alles in Eigenregie. "Wir kümmern uns selbst darum, dass immer jemand da ist und es funktioniert gut." Zufrieden ist auch Philipp Roos, der bis zur Examensvorbereitung an einem zivilrechtlichen Lehrstuhl in Münster beschäftigt war. "Ich hätte mir die Zeit während des Studiums ohne praktische Erfahrungen nicht vorstellen können. Viele meiner Kommilitonen behaupten, sie hätten neben dem aufwendigen Studium keine Zeit für einen Job. Dabei sammelt man viele wichtige Erfahrungen, lernt die Arbeit im Team kennen und hat am Ende des Tages einen Beitrag geleistet. Für mich gehört das zu meiner Ausbildung dazu, ums Geld ging es mir gar nicht."

Realität beim Rechtsanwalt

Der überwiegende Teil der Jurastudenten wird eines Tages als Rechtsanwalt arbeiten. Den studentischen Nebenjob in der Kanzlei kann man daher als einen "Blick in die Zukunft" bezeichnen. Marie Ritter schnuppert seit knapp einem Jahr Kanzleiluft. Im 7. Semester überlegte sich die Hamburgerin, dass es an der Zeit sei, etwas "Sinnvolles" zu tun. Nebenjobs gehörten zu ihrem Alltag, nur hatte sie beim Hundesitten oder Kaffee Servieren keine Idee davon bekommen, wie ihr Leben nach der Zeit zwischen Hörsaal und Mensa aussehen würde. Hat sie denn jetzt eine Idee? "Manchmal lernt man in der Praxis auch, was man nicht machen möchte", sagt die Studentin. Wenn sie sieht, wie viel Zeit die Anwälte in der Wirtschaftskanzlei am Schreibtisch verbringen, überkommen sie hin und wieder Zweifel. Bis in die späten Abendstunden werden Schriftsätze gewälzt – und die Themen sind nicht immer spannend. Leichtfertige Steuerverkürzungen? Nicht so elektrisierend. Kontakt zu Mandanten hat sie keinen. Als Student arbeitet man im Hintergrund. "Recherche" ist das Zauberwort. Morgens bekommt man ein paar Sachverhalte mit Fragen, welche die Anwälte ohne studentische Unterstützung selbst recherchieren müssten. Daher kennt sich Marie Ritter mittlerweile bestens mit den gängigen juristischen Datenbanken aus. So hat sie zwar in ihrem Nebenjob nichts mitnehmen können, was ihr am Semesterende in den Abschlussklausuren hilft, doch weiß sie, dass sich fast alles herausfinden lässt. "Ich musste lernen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden", fasst die 23-jährige zusammen. "Wenn ich nach Urteilen suche, die für einen Fall Aufschluss geben sollen, will ich natürlich nicht, dass mein Chef  denkt: 'Was soll ich denn damit?'" Und er würde ihr das auch genau so sagen. Der Ton ist freundlich aber direkt.

"Finde den Fehler" in der juristischen Datenbank

Während die einen Informationen für ihre Arbeitgeber zusammentragen, arbeiten andere an genau diesen Informationen. Lena Notthoff ist seit fast drei Jahren bei einer der größten juristischen Datenbanken beschäftigt. Hier werden Rechercheprodukte für praktizierende Juristen entwickelt und gepflegt. "Meine Hauptaufgabe ist die Qualitätssicherung", beschreibt sie ihren Nebenjob. "Ich korrigiere juristische Texte jeder Art im Hinblick auf Rechtschreibung, Grammatik aber auch Schlüssigkeit." Bevor die aktualisierten Produkte die Kunden erreichen, durchforstet die Studentin die Inhalte. Den finalen Blick haben am Ende die Redakteure, meist Volljuristen, denen die studentischen Hilfskräfte zuarbeiten. Gelernt hat die angehende Juristin "eine Menge". Sie ist fit bezüglich zahlreicher Computeranwendungen, hat sich immer wieder auch technischen Problemen widmen müssen: "Früher habe ich jemanden anrufen müssen, heute formatiere ich meinen Freunden die Hausarbeiten. Als Korrekturleserin bin ich natürlich mittlerweile sehr beliebt."

IT-Dokumentation am heimischen Schreibtisch

Mit Daten arbeitet auch Tanja Jurkait, allerdings fernab der Paragraphen. Die Jurastudentin ist bereits ihr ganzes Studium bei einer Fluggesellschaft beschäftigt. In der IT-Dokumentation im Flugbetrieb verwaltet sie eine interne Datenbank. Was früher einmal in Form sperriger Handbücher im Cockpit lag, wird nach und nach in eine elektronische Datenbank eingepflegt. Änderungen in den Checklisten können dabei durch entsprechende Markierungen besser nachvollzogen werden. "Juristisch hat mich mein Job natürlich nicht weiter gebracht. Dafür habe ich Kontakte knüpfen können, die mir schließlich zu einem Praktikum in der Rechtsabteilung hier verholfen haben", beschreibt sie den Bezug zu ihrem Studium. "Toll ist vor allem, dass ich von zu Hause aus arbeiten kann, es läuft alles über eine VPN-Verbindung." Flexibilität können andersherum aber auch die Jurastudenten bieten, was sie besonders geeignet für Nebenjobs macht. Das klassische Jurastudium kennt keine Anwesenheitspflicht, die Arbeitseinteilung bleibt einem selbst überlassen. Der Blick auf die Stellenanzeigen kann sich lohnen – für die Ausbildung, den Geldbeutel und für den Lebenslauf. Mehr auf LTO.de: Recherche im Jurastudium: Bessere Noten mit besseren Suchmaschinen-Strategien Juristenausbildung: Vier gewinnt nicht

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