ClickCeaseMasterstudiengang nur online: Die Idee vom LL.M. to go
Neuer Online-Masterstudiengang in Deutschland

Die Idee vom LL.M. to go

von Marcel SchneiderLesedauer: 4 Minuten
Die SIBE Law School verspricht Juristen einen leicht in den Alltag zu integrierenden LL.M.-Studiengang, Flexibilität sei das oberste Ziel. Das Prinzip: Akademisches Arbeiten ausschließlich online und asynchron zu Dozenten und Kommilitonen.
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Vom frischgebackenen Diplom-Juristen zum berufserfahrenen Anwalt, von Georgien bis nach Brasilien und von Rumänien bis nach Finnland: Der 14-köpfige, erste Jahrgang des Masters of International Business Law der privaten School of International Business and Entrepreneurship (SIBE) ist bunt gemischt. Damit passt er ins Konzept. "Maximale Flexibilität für die Studierenden ist das Leitziel unseres Angebots", sagt Dr. Eva Feldbaum, Direktorin und Ansprechpartnerin bei der SIBE Law School. In 16 Monaten zum staatlich anerkannten Master of Laws (LL.M.) – ausschließlich vom eigenen Rechner aus und ohne feste Termine. Diese Idee ist im englischsprachigen Raum sehr verbreitet, deutsche Anbieter für einen reinen Online-LL.M. gibt es aber kaum. Die Studiensprache ist trotzdem Englisch. Ende 2015 fing der Pionierjahrgang an, der nächste folgt am 23. Mai. Zulassungsvoraussetzungen sind ein Erststudium der Rechtswissenschaften oder ein solches mit rechtswissenschaftlichem Schwerpunkt sowie gute Englischkenntnisse. Die Kosten für das gesamte Master-Programm belaufen sich auf 9.800 Euro. "Der Masterstudiengang berücksichtigt zwar die Bedürfnisse von Berufstätigen, ein fester Job ist aber keine Voraussetzung", stellt Feldbaum klar. So gebe es unter den derzeitigen Teilnehmern auch einen, der den Studiengang parallel während seines Referendariats absolviert. Das Studium ist wie folgt gegliedert: Drei Monate dauert ein jedes von vier Modulen, die jeweils in sechs bis sieben sogenannte Units von je ein bis drei Wochen unterteilt sind. Am Ende jedes Moduls gilt es einen Online-Test zu bestehen und eine Projektstudienarbeit hochzuladen, außerdem muss bis zu einem gewissen Zeitpunkt auch am wissenschaftlichen Diskurs mit den Kommilitonen über ein internes Forum teilgenommen werden. Im Anschluss an das Jahr sind die letzten vier Monate für die Masterarbeit vorgesehen.

Zeitfenster statt fixer Zeitpunkte

"Der Ansatz ist, mit Zeitfenstern anstatt festen Zeitpunkten studieren zu lassen", sagt Feldbaum. "Um Texte zu lesen, Aufgaben und Fälle zu bearbeiten und Präsentationen anzusehen, haben die Teilnehmer mehrere Wochen Zeit und können das Studium auf diese Weise flexibel in ihren Alltag integrieren. Damit ist das Studium auch unabhängig von strikten Terminen. Um die Aufgaben zu bearbeiten, braucht man nur einen Zugang zum Internet." Im Rahmen jeder Unit haben die Studierenden Zugriff auf sogenannte web based trainings und knowledge bases, anhand derer sie den Stoff verinnerlichen. Das können zum Beispiel Multiple-choice-Tests, Drag-and-drop-Aufgaben oder kleinere Fälle passend zum gerade behandelten Rechtsgebiet sein. Parallel dazu stellen die jeweiligen Dozenten ihre Aufgaben und beantworten Fragen. Eine mündliche Note ergibt sich dabei durch die qualifizierten Beiträge der Teilnehmer aus dem wissenschaftlichen Diskurs, den die Lehrenden begleiten. Feldbaum: "In einem Forum werden dazu Diskussionen zu bestimmten Rechtsthemen und aktuellen Rechtsentwicklungen zwischen den Teilnehmern aus den verschiedenen Ländern angeregt. Dadurch entsteht eine transnationale Korrespondenz, die von den betreuenden Dozenten fachlich begleitet wird." Das Zeitfenster-Prinzip gilt auch für die Online-Tests, die jeweils in der letzten Woche eines jeden Moduls gestellt werden. 60 Minuten haben die Teilnehmer Zeit für 30 Multiple-choice-Fragen. Besteht dabei nicht die Gefahr, dass ohne Aufsicht mit Hilfe von Google & Co. geschummelt wird? Feldbaum: "Dieses Risiko wird dadurch praktisch ausgeschaltet, dass ohne inhaltlich fundierte Kenntnisse in dem Modul auch durch eine Suchmaschine keine verwertbaren Ergebnisse in der vorgegebenen Zeit erzielt werden können."

Das eigene Law-Projekt

Zu Beginn des Studiums entscheiden sich die Studierenden in Absprache mit den Betreuern für ein Law-Projekt, das den Schwerpunkt der Benotung ausmacht und über das die Teilnehmer vertiefte Kenntnisse in einem bestimmten Gebiet erwerben können. "Die Wahl des Projektthemas hängt in der Regel eng mit den eigenen, meist auch gleichzeitig beruflichen Interessen zusammen und ist so für den juristischen Alltag des Teilnehmers von großem Wert. Der Transfer von erworbenem Wissen in die Praxis ist Ziel dieses Law-Projekts, in dessen Rahmen die Teilnehmer am Ende eines jeden Moduls eine circa 20-seitige, sogenannte Projektstudienarbeit schreiben", erklärt Feldbaum. So hat etwa eine rumänische Studentin, die in der Personalabteilung einer Firma tätig ist, im Laufe des ersten Moduls eine rechtsvergleichende Arbeit zum deutschen und rumänischen Arbeitsrecht geschrieben. Die Projektarbeiten machen aber nicht nur den größten Anteil der Bewertung eines jeden Moduls aus, sondern dienen auch als Grundlage für die Masterarbeit am Ende des Studiums. Vergleichen könne man sie mit den Exposés einer Dissertation, so Feldbaum. "Dies sind zur Gesamtthematik gehörende Einzelstudien, die den Teilnehmer während der gesamten Studienzeit beschäftigen und auf diese Weise eine gute Vorbereitung für die Master-Thesis darstellen." Das virtuelle Studium kann auch reale Kontakte eröffnen. "Einige unserer Dozenten sind in großen Wirtschaftskanzleien tätig", sagt Feldbaum. Diese nutzten Online-Studiengänge bislang im Ausland zur Mitarbeiterrekrutierung und versuchten es deshalb auch hier bei den deutschen Angeboten. In einem ersten Feedback freut sich ein Teilnehmer über die Gelegenheit, netzwerken zu können und über deutsches Recht auch mit Inhalten zum EU-Recht in Berührung zu kommen. Er kommt nämlich aus Afrika.

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