Moot Courts

Gekommen, um zu siegen

Interview von Constantin KörnerLesedauer: 5 Minuten
Simulierte Gerichtsverfahren werden von immer mehr Fakultäten angeboten. Für wen sich eine Teilnahme lohnt, wer besser die Finger davon lässt und welche Strategie zum Erfolg führt, verrät Jan-Gero Alexander Hannemann im Interview.
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LTO: Herr Hannemann, wie sind Sie zum ersten Mal mit Moot Courts in Berührung gekommen? Hannemann: Ich habe relativ früh mit dem Hochschuldebattieren angefangen. Bereits als Schüler mit 14 Jahren bin ich auf eine Gruppe an der Universität Göttingen aufmerksam geworden. Später habe ich dann in Hannover und Genf auch zwei Debattier-Clubs gegründet und bin so bereits vor Beginn meines Studiums mit Jura-Studenten in Berührung gekommen. Von denen habe ich von Moot Courts erfahren. So nahm ich dann auch an meiner damaligen Fakultät an einem kleinen Uni-internen Moot Court teil, den ich gewonnen habe. Mit der Zeit wurden es dann immer mehr und größere Wettbewerbe. Mir hat das einfach Spaß gemacht.

"Im Gerichtssaal pulsiert das Leben"

LTO: Welche Kriterien sind für einen Sieg beim Moot-Court entscheidend? Hannemann: Zunächst einmal müssen die Schriftsätze ordentlich erarbeitet werden. Nicht zu unterschätzen ist die sich daran anschließende mündliche Verhandlung. Hier trifft man das erste Mal auf seine Gegner. Wer hier einfach nur seinen Schriftsatz vorliest, der wird die Richterbank sicherlich nicht überzeugen. Vielmehr muss man ein Plädoyer erarbeiten, Strategien entwickeln, wie man mit seinen Gegnern umgeht, und bereits im Vorfeld versuchen, die Fragen der Richterbank zu antizipieren, um damit nicht in der Verhandlung überrascht zu werden. Das ist genau der Teil, der mir an den Moot Courts immer am meisten Spaß gemacht hat. Hier wird der Schriftsatz lebendig, im Gerichtssaal pulsiert das Leben. Und auch wenn man die - rechtlich betrachtet - schwächere Seite zu vertreten hat, kann das in der Verhandlung, wo es um Standfestigkeit und Argumentationsgeschick geht, sogar von Vorteil sein. LTO: Für wen lohnt sich die Teilnahme an einem Moot Court? Hannemann: Ein Moot Court ist eine super Möglichkeit für alle Studenten, die einmal ausprobieren wollen, wie es ist, als Anwalt zu agieren, und für diejenigen, die die manchmal trockene Theorie mit Lebensnähe füllen wollen. Natürlich sollte man sich darüber im Klaren sein, dass ein Moot Court zum einen zeitaufwendig und zum anderen juristisch anspruchsvoll ist. Der Vergleich mit der intensiven Hausarbeitszeit ist sicherlich nicht ganz verkehrt. Schließlich muss man Schriftsätze verfassen  - nicht selten für beide Seiten - und sich im Anschluss dann auch noch einer "mündlichen Prüfung", also der Verhandlung und einer zumeist aus Richtern, Professoren oder Anwälten besetzten Richterbank, stellen. Es ist auch nicht unüblich, dass die Fakultät dafür ein Freisemester (Urlaubssemester) einräumt. LTO: Und wem würden Sie eher abraten? Hannemann: Abraten würde ich niemanden. Ein Moot Court kann ja auch die Erkenntnis bringen, dass Jura doch nicht das richtige ist und das ist möglicherweise dann auch gar nicht verkehrt. Also möglichst früh ausprobieren, ob einem der Anwaltsberuf, den nun mal der Großteil der Absolventen ergreift, überhaupt liegen würde.

2/2: "Probiere Dich aus"

LTO: In Ihrem Buch verraten Sie etliche Tipps und Tricks, von der Mosaik-Methode über die richtige Kleidung bis hin zu Klageschrift-Mustern. Wie lauten Ihre fünf wichtigsten Tipps an Moot Court-Teilnehmer? Hannemann: 1. Fange möglichst früh mit der Vorbereitung an. Plane alles minuziös bis ins letzte Detail und lass Dich durch Unwägbarkeiten nicht irritieren. Die gehören dazu. 2. Unterschätze niemals die mündliche Verhandlung. Auch wenn die Schriftsätze gut sind, so trennt sich die Spreu vom Weizen doch erst so richtig in der mündlichen Verhandlung. 3. Versuche den Moot Court möglichst auch irgendwie in deinem Studium aufgehen zu lassen. Etwa durch eine Anrechnung als Sprachschein, Schlüsselqualifikation oder sogar im Rahmen des Schwerpunktbereichs. 4. Sei mit Dir selbst kritisch. Nur wer die Extrameile läuft, wird schlussendlich auch erfolgreich sein. Ich selbst habe fast alle Verfahren gewonnen, an denen ich teilgenommen habe. Du musst Dir klar machen, dass Deine Gegner in der Regel schon sehr gut sind. Sie haben sich im Idealfall, genauso wie Du, ein halbes Jahr mit dem Sachverhalt auseinander gesetzt und sind gekommen, um zu gewinnen. 5. Have fun. Ein Moot Court sollte als Erfahrung begriffen werden. Man setzt sich intensiv mit einem spannenden Thema, einer Rechtsfrage, auseinander. Schlussendlich sollte man aber nicht vergessen, dass es sich dabei nur um ein simuliertes Gerichtsverfahren handelt. Du bist völlig frei im Agieren. Also probiere Dich aus. Das Schlimmste, was Dir passieren kann ist, den Wettbewerb zu verlieren. Aber dafür erhältst Du Feedback und kannst erfahren wie es ist, vor Gericht aufzutreten. LTO: Welche Moot Courts gibt es und wie erfährt man davon? Hannemann: An fast jeder Fakultät gibt es simulierte Gerichtsverfahren bzw. Moot Courts. Heutzutage ist das für die Universitäten genauso wie die Legal Clinics ein Aushängeschild. Aus genau diesem Grund integrieren viele Universitäten die Moot Courts in ihr Ausbildungsprogramm. Sie haben begriffen, wie wichtig es ist, erste praktische Erfahrungen bereits im Studium zu sammeln. LTO: Was halten Sie an Moot Courts für verbesserungswürdig? Hannemann: Man muss sich immer klar machen, dass es sich bei Moot Courts um simulierte Gerichtsverhandlungen handelt. Das Ganze ist zwar an die Realität angelehnt, aber trotzdem nur eine Simulation. Es entfällt die Dynamik der Realität mit all ihren überraschenden Entwicklungsmöglichkeiten. Es ist etwas anderes, wenn ich reale Mandanten habe und an dem Fall nicht nur das gute Abschneiden bei einem Wettbewerb hängt, sondern ein höchst persönliches Schicksaal. Wer noch mehr praxisnahe Elemente in sein Studium integrieren möchte, der sollte sich mit Legal Clinics auseinander setzen. Hier kann der Student noch direkter und nicht nur simuliert mit Mandanten in Kontakt treten und bei realen Fällen Hilfe leisten. Ein spannendes Thema ist nach wie vor die Integration in das Jura-Studium und die Anrechnung an den Fakultäten. Hier besteht sicherlich noch Handlungsbedarf. LTO: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei Moot Courts. Das Interview führte Constantin Körner. Jan-Gero Alexander Hannemann ist Student der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen und Vorsitzender  im Bund Studentischer Rechtsberater. Er ist Autor des Buches "Praxisleitfaden Moot Court - Tipps und Tricks zur erfolgreichen Teilnahme".

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