Studienstipendien

Soziales Engagement zahlt sich aus

von Constantin KörnerLesedauer: 4 Minuten
Gesetzessammlungen, Lehrbücher, der Besuch eines Repetitoriums – ein Jurastudium kostet nicht nur Fleiß, sondern auch eine Stange Geld. Da kommt ein Stipendium als Finanzspritze sehr gelegen. Nur gute Leistungen abzuliefern reicht aber oft nicht aus – mehr denn je können sich solche Bewerber Hoffnung auf Förderung machen, die sich auch für die Gesellschaft engagieren.
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Die größte Rolle bei der Förderung talentierter Studierender spielen die zwölf Begabtenförderungswerke, die Studenten aller Fachrichtungen aufnehmen und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt werden. Zu diesen zählen die parteinahen Stiftungen der im Bundestag vertretenen Parteien genauso wie die Studienstiftung des Deutschen Volkes oder das Cusanuswerk. Im Jahr 1956 von der katholischen Kirche gegründet, übt dieses aktuell die Sprecherrolle aller Förderungswerke aus. "Unser Ziel ist es, Begabte zu fördern, die hervorragende Leistungen vollbringen, aber gleichzeitig ihre Begabung dem Allgemeinwesen zu Gute kommen lassen", formuliert Prof. Dr. Dr. h.c. Josef Wohlmuth, Leiter des Cusanuswerks, den gemeinsamen Nenner der Stipendiengeber. Zwar kursiert der Begriff der "Verantwortungselite" wie selbstverständlich in deren offiziellen Informationsbroschüren. Trotzdem geht Wohlmuth nach eigenen Angaben "sparsam" damit um: "Der Elitebegriff ist in den 70er und 80er Jahren durchaus auch mit Recht etwas in Misskredit geraten, weil dabei stets eine gewisse Arroganz und ein Karriereleiterdenken im Vordergrund stand."
In finanzieller Hinsicht können Studierende ein Grundstipendium von maximal 597 Euro im Monat erhalten, abhängig vom Einkommen der Eltern, eigenen Einkünften oder Einkommen des Ehepartners. Daneben erhält jeder Stipendiat ein Büchergeld in Höhe von monatlich 150 Euro. Dieser Betrag ist allerdings entgegen seiner Namensgebung nicht zweckgebunden für Bücher, sondern kann frei verwendet werden. Außerdem wird eine ideelle Unterstützung geboten, die sich inhaltlich zwischen den einzelnen Werken unterscheidet. Mit "Kirchlichkeit für Intellektuelle" beschreibt Wohlmuth einen Akzent, der in den interdisziplinären Bildungsveranstaltungen für Stipendiaten eines konfessionellen Förderungswerks im Vordergrund steht.

Bolognaprozess hat Förderpraxis verändert

Während lange Zeit insbesondere bei der Studienstiftung des Deutschen Volkes erst die Empfehlung durch einen Professor den Zugang zur Förderung ermöglichte, ist heute generell eine Selbstbewerbung vorgesehen. Auch bereits direkt nach dem Abitur, ohne dass überhaupt universitäre Leistungsnachweise vorliegen. "Der Bolognaprozess hat diese Änderung der Förderpraxis erforderlich gemacht. In einem Bachelorstudium muss mit der finanziellen Unterstützung eben schon früh begonnen werden können, da sonst die Studiendauer gar nicht mehr lange genug ist", erläutert Wohlmuth.
Zwei Begabte, die auf ein Stipendium zurückblicken können, sind Sven Lohse und Benjamin Schulz. Beide promovieren heute an der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. "Als Kind eines Bergmanns und einer Einzelhandelskauffrau hatte ich zunächst keinen Kontakt zum Stipendienwesen. Kurz vor Abschluss meiner Schullaufbahn machte mich mein Geschichtslehrer auf die Möglichkeit aufmerksam, dass ich mich um ein Stipendium bewerben könne. Mit seiner Unterstützung bewarb ich mich bei der Konrad-Adenauer-Stiftung", erinnert sich Lohse, der sich in der Jungen Union und der CDU engagiert.
Schulz dagegen wurde vom Prüfungsamt seiner Fakultät für die Studienstiftung des Deutschen Volkes vorgeschlagen: "Ich gehörte zu den besten drei Studenten meines Jahrgangs nach der Zwischenprüfung, also von circa 350 Personen. Daneben habe ich mich in politischen Jugendorganisationen und Kirchengemeinden engagiert. Vor allem für die Betreuung von Kinder- und Jugendgruppen."

"Allein die Note reicht nicht aus"

In einem Punkt sind sich sowohl die einstigen Stipendiaten als auch Wohlmuth einig: "Allein die Note reicht nicht aus, sondern es zählt die ganze Persönlichkeit als Gesamtbild". Entsprechend haben auch die Auswahlverfahren nicht den Charakter einer mündlichen Prüfung im Staatsexamen, betont Lohse: "In meinem Fall sprachen wir über meine Auslandsaufenthalte. Keinesfalls wurde ich mit Fachfragen bombardiert. Dass man sich in seinem Studienfach auskennt, hat man doch durch gute Noten bereits bewiesen".
Neben des finanziellen Aspekts beschreibt Schulz auch noch einen weiteren Mehrwert: "Ich habe mir ein Netzwerk zu anderen Stipendiaten und Alumni aufbauen können. Auch bei meiner Bewerbung um eine Mitarbeiterstelle an der Universität war der Status als Alumnus sicherlich von Vorteil. Die Aufnahme in die Begabtenförderung kann somit als zusätzlicher Bonus im Bewerbungsverfahren gesehen werden mit einem ähnlich hohen Stellenwert wie etwa ein Auslandsaufenthalt".
Eine Alternative zu den traditionellen Begabtenförderungswerken bildet erstmals seit dem Sommersemester 2011 das DeutschlandStipendium. Hier beträgt die Förderung 300 Euro im Monat, unabhängig von BAföG, Einkommen der Eltern oder des Studenten. Hoffnungen darauf kann sich machen, wer herausragende Studienleistungen erwarten lässt und sich neben des Studiums für die Gesellschaft engagiert. Allerdings erfolgt die Vergabe bundesweit durch die jeweilige Universität, weshalb sich die Auswahlverfahren von Hochschulort zu Hochschulort unterscheiden. Bund und private Geldgeber, insbesondere aus der Wirtschaft, übernehmen hälftig die Kosten. So sollen noch in diesem Jahr bundesweit 10.000 Studenten mit einem DeutschlandStipendium gefördert werden, so das zuständige Ministerium.

Stipendiendatenbanken verschaffen einen Überblick

Neben bundesweiten Angeboten gibt es aber auch noch eine Fülle insbesondere an lokalen oder regionalen Stipendienprogrammen. Hilfreich sind hier Datenbanken, um sich anhand spezifischer Suchkriterien einen Überblick zu verschaffen. Mit www.stipendienlotse.de bietet das Bundesministerium für Bildung und Forschung sogar eine eigene Plattform an.
Dort kann man durchaus auch Kuriositäten finden. So bietet der gemeinnützige Verein Absolventa das "erste demokratische Stipendium Deutschlands" an, das durch Spenden aus der Wirtschaft finanziert wird. Völlig unabhängig von seinen Studienleistungen oder einem eventuellen ehrenamtlichen Engagement kann sich jeder Student um ein Stipendium in Höhe von einmalig bis zu 5000 Euro bewerben. Auch der Förderzweck bleibt ganz dem individuellen Gusto überlassen – ein Auslandspraktikum in Ghana ist genauso möglich wie der Wunsch nach einem neuen Laptop. Wer am Ende gefördert wird, entscheidet ganz zeitgemäß die Facebook-Gemeinde. Per Mausklick.
Für alle anderen Stipendien gilt, was Wohlmuth abschließend für die Begabtenförderungswerke sagt: "Es gibt keine Vorbehalte gegen Juristen. Bewerbungen lohnen sich!".
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